Sonntag, 3. Juni 2007

Chapter 5


Jon lag wach und wälzte sich von einer Seite auf die andere. Er konnte nicht schlafen, ihm ging zuviel durch den Kopf. Die letzten 3 Tage waren anstrengend aber auch erfolgreich gewesen. Die Aussprache mit den Jungs war hart gewesen, alle Befindlichkeiten waren auf den Tisch gelegt worden. Obwohl keine bösen Worte gefallen waren, hatte es Kraft gekostet sich mit den unangenehmen Wahrheiten auseinander zu setzen. Doch es war ihnen gelungen und sie waren wieder zusammen gewachsen. Sie wollten als Band weitermachen, brannten geradezu darauf ein neues Album aufzunehmen. Gut, bis dahin lag noch ein weiter Weg vor ihnen! Doch sie würden ihn gehen und er zweifelte nicht daran, daß sie ihn erfolgreich meistern würden. Sie wussten schließlich was sie drauf hatten!
Aber das war es nicht was ihm durch den Kopf ging. Tammy war es, die ihm nicht aus dem Sinn ging. All die Geschehnisse der letzten Tage hätte er am liebsten sofort mit ihr besprochen. Er wollte ihre Meinung dazu hören, es war ihm immens wichtig. Himmel ja, er vermisste sie! Er konnte gut ein paar aufmunternde Worte gebrauchen. Keine verstand es so gut zuzuhören wie es Tammy tat. Außerdem machte er sich Sorgen um sie. Bestimmt arbeitete sie wieder zuviel und achtete nicht genug auf sich und das Baby! Manchmal könnte er sie schütteln, weil sie in seinen Augen leichtsinnig handelte. Ob er sie überreden sollte, schon früher mit der Arbeit aufzuhören? Vielleicht würde es klappen, wenn er sie an ihre Verantwortung für das Kind erinnerte! Ohne harte Diskussion würde das aber nicht abgehen. Er seufzte tief und rollte sich auf die andere Seite herum. Vor seinem inneren Auge konnte er sie sehen. Ihre meistens zerzausten Locken, ihr niedliches Grübchen, wenn sie lächelte. Am schönsten fand er jedoch ihre warmen, haselnussbraunen Augen. Wenn man genau hinsah, dann konnte man alle ihre Emotionen darin sehen. Und wenn man nicht aufpasste, dann verlor man sich in ihrem seelenvollen Blick!

„Jon! Hallo?“
Er schrak aus seinen Gedanken und blickte auf. Richie stand neben seiner Hängematte und schien auf irgendwas zu warten.
„Was los?“ knurrte er unwirsch.
„Ich hab dich schon zweimal gefragt, ob du mit uns an die Strandbar kommst! Hast du was an den Ohren?“
„Geht alleine, ich hab keinen Bock! Meine Leber braucht ne Auszeit!“
Seine Antwort genügte nicht um Richie los zu werden. Im Gegenteil, Richie setzte sich auf die nahe stehende Sonnenliege und sah ihn aufmerksam an.
„Dämlicher Spruch, Kumpel! Seit wir hier sind hast du dich noch nicht einmal mit uns voll laufen lassen! Du mutierst langsam aber sicher zum Mönch! Dir sind nicht mal all die hübschen Mädels aufgefallen, die uns quasi am Bein kleben! Erzähl mir nicht, daß das normal ist!“ hielt Richie ihm vor.
Dagegen ließ sich kaum etwas erwidern. Richie hatte Recht. Ihn interessierten die Mädchen nicht und ihm war auch nicht nach Party feiern.
„Vielleicht hab ich mich ja in den letzten Monaten verändert!“
Richie nickte bedächtig.
„Und wahrscheinlich kennen wir beide auch den Grund für die Veränderung!“
Fragend zog Jon die Augenbraue hoch. Richie sprach in Rätseln.
„Sag mir einfach, ob ich richtig mit meiner Einschätzung liege! Du bist mit dem Kopf in Jersey und denkst an Tammy! Du fragst dich wie es ihr geht und ob sie dich nicht etwa brauchen könnte. Du vermisst sie und zählst die Stunden bis zum Rückflug. Tja Jon, das kann man eindeutig als Verliebtheit bezeichnen!“
Jon war mit jedem Wort heißer geworden und das lag nicht an der Sonne. Jedes Wort von Richie war ein Volltreffer gewesen. Und wenn er sich seinen Freund so ansah, dann war leugnen absolut zwecklos.
„Touchdown, du hast gewonnen! Ich vermisse sie schrecklich.“ Gab er zu.
Richie lächelte zufrieden.
„Na bitte, geht doch! Wenn ich nicht völlig daneben liege, dann geht es Tammy genauso!“
Skeptisch blickte Jon ihn an.
„Meinst du? Was bitte soll sie in ihrer Lage mit nem Kerl, der voller Zweifel steckt? Nein, sie braucht mich so wenig wie Fußpilz!“ jammerte Jon.
„Was für Zweifel? Geht’s darum, daß sie von nem anderen schwanger ist? Jon, enttäusch mich nicht! So spießig und klein kariert bist du nicht! No way!“
„Wie würdest du denn damit umgehen? Wäre dir egal, daß es nicht dein Kind ist?“
Richie schwieg eine ganze Weile.
„Ich glaube nicht, daß ich damit ein Problem hätte! Wenn ich das Mädchen liebe, dann wäre es mir egal. Tammy gibt es nun mal nur mit Baby und immerhin wird das Kleine ein großer Teil von ihr sein! Meinst du nicht, daß man diesen wichtigen Teil von ihr genauso lieben kann? Sieh mal, du kennst sie nur schwanger und mit all den Gefühlen, die sie für das Baby entwickelt hat. Vielleicht hättest du dich nie in sie verliebt, wenn sie nicht schwanger gewesen wäre! Vielleicht hat das sie ja für dich erst liebenswert gemacht! Schon mal darüber nachgedacht?“
Jon schwirrte der Kopf. Einige dieser Gedanken hatte er auch schon durchgespielt und wieder verworfen. Das Richie nun damit ankam, gab ihm ein wenig Sicherheit zurück.
„Über manches davon hab ich auch schon nachgedacht, Rich! Du könntest Recht haben! Tja, nur meine Gefühle alleine reichen nun mal nicht! Was wenn Tammy nur Freundschaft für mich empfindet? Sie hat mir nie einen Hinweis auf etwas anderes gegeben!“ gab Jon zu bedenken.
Richie wiegte den Kopf nachdenklich.
„Eigentlich bin ich mir ziemlich sicher, daß Tammy auf dich steht! Sie kriegt so ein Glitzern in den Augen wenn sie dich ansieht. Aber du wirst es herausfinden müssen, um sicher gehen zu können!“
„Ich hoffe, du hast Recht! Jesus, wie soll ich das Ganze nur angehen? Mir geht die Düse, Rich!“ gestand Jon geknickt.
Richie lachte heiser und zwinkerte ihm zu.
„Du kriegst das schon geregelt, Kumpel! Wie wärs, wenn du sie einfach mal anrufst und hörst wie es ihr geht? Sie freut sich bestimmt, daß du sie nicht völlig vergessen hast!“ schlug er vor.
„Gib zu, daß du dich weglachst, weil ich so ein Schisser bin!“
Richie stand auf und gab der Hängematte einen kräftigen Schubs. Jon konnte sich gerade so festhalten, daß er nicht rausflog.
„Ich gebe gar nichts zu, weil du es mir sonst noch in 100 Jahren unter die Nase reiben wirst! Jetzt komm in die Hufe, Alter!“
Breit grinsend schlenderte Richie Richtung Strandbar. Den Stinkefinger, den Jon ihm zeigte sah er nicht mehr.

„Hi Tammy! Wie geht’s dir?“
„Hallo Fremder! Mir geht’s gut. Wie läufts bei dir da unten?“
Sie schien sich aufrichtig über seinen Anruf zu freuen und seine riesige Anspannung legte sich etwas.
„Hier ist alles im grünen Bereich! Wir verstehen uns prima und wir werden wieder zusammen arbeiten. Bon Jovi lebt wieder!“
„Wunderbar! Ich wusste doch, daß du das auf die Reihe kriegst! Jon, ich freue mich riesig für dich!“
„Danke, Tammy! Was treibst du so? Wie geht’s dem Baby?“
Er hörte sie leise lachen.
„Dem Baby geht’s gut und mir auch. Ich fahre später zu meinen Eltern und bleibe bis zum Wochenende dort. Meine Mum hat mich überzeugt, daß ich jetzt schon aufhöre zu arbeiten und zuhause bleiben soll. Naja, ist wohl besser so!“
Sie klang etwas bedrückt.
„Ich bin froh, daß du nachgegeben hast! Ich hatte mir auch schon vorgenommen dich von diesem Schritt zu überzeugen. Du hast einfach zu viele Hummeln im Hintern und schonst dich nicht richtig. Wann kommst du von deinen Eltern zurück?“
„Ja, Ja, blas du nur auch ins gleiche Horn wie meine Mum! Ihr habt ja Recht. Ich werde jetzt den ganzen Tag schlafen und mich tödlich langweilen. Mir ist jetzt schon ein bisschen langweilig ohne dich!“
Jons Herz schlug einen Tick schneller. Wollte sie ihm mit ihren letzten Worten mitteilen, daß sie ihn vermisste?
„Mir wäre es auch lieber ich könnte dich unterhalten, als hier mit 4 Rowdies abzuhängen, die keiner Margharita aus dem Weg gehen! Also, wann bist du wieder zuhause?“
„Soll ich dich ein bisschen bedauern? Was für ein schweres Schicksal sich den ganzen Tag die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen, während es hier immer noch eiskalt ist! Ich bin Samstag wieder zuhause. Warum?“
„Okay, du hast recht. So schlecht ist es hier auch wieder nicht! Was hältst du davon, wenn wir uns Samstag gleich sehen? Ich komme morgens irgendwann an. Du könntest dir etwas ausdenken, was wir unternehmen könnten! Ich bin zu jeder Schandtat bereit!“
„Wirklich zu jeder? Sei vorsichtig, Jon!“ warnte sie ihn lachend.
„Ich vertraue dir, Tammy!“ gab er leise zu.
„Fein! Ich verspreche dir auch, daß ich dich nicht zu sehr quälen werde! Wie wärs mit nem Film? Ich dachte da an eine schöne Schnulze!“ zog sie ihn auf.
Er seufzte tief in den Hörer.
„Ich werde es überleben. Tammy, ich muß los, wir gehen gleich essen!“
„Nein, war nur ein Joke! Ich werde dich nicht quälen. Dann mal los, Jon! Viel Spaß heute Abend!“
Einen Moment lang herrschte Stille in der Leitung.
„Ich hab mich sehr über deinen Anruf gefreut, Jon! Schön zu wissen, daß du mich nicht gänzlich vergessen hast!“
Ihre Stimme klang ganz weich und sanft und er meinte ihr Lächeln vor sich zu sehen.
„Wie könnte ich dich vergessen, Moby Dick! Mach’s gut und pass auf euch zwei auf! Bye!“
Sie lachte leise.
„Nennst du mich jetzt immer Moby?“
Er musste grinsen.
„Wenn du möchtest!“
„Klingt irgendwie nett, wenn du das sagst! Also, jetzt lauf, damit du nicht zu spät kommst! Ciao!“
„Bis bald, Moby! Ich freu mich auf dich!“ fügte er etwas nervös hinzu.
„Ich freu mich auch! Bye“
Als Jon den Hörer weg legte, lag ein breites, zufriedenes Lächeln auf seinen Lippen.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Netter Beitrag