Sonntag, 3. Juni 2007

Chapter 8


Die nächsten drei Tage verbrachten sie ausschließlich zusammen und genossen die neue Verliebtheit in vollen Zügen. Sie gingen lediglich Einkaufen oder ein wenig am Strand spazieren, wollten einfach ungestört bleiben. Sie redeten viel und Jon war erstaunt wie leicht es ihm fiel sich Tammy zu öffnen. Er vertraute ihr Dinge und Gedanken an, die er bisher nur mit Richie hatte teilen können. Er erkannte, daß Tammy nicht nur Geliebte für ihn sein würde, sondern vor allem auch aufgeschlossene und kritische Freundin. Diese Erfahrung war für ihn relativ neu, aber sie gefiel ihm ausgesprochen gut. Tja, und das Liebesleben mit ihr war nahezu perfekt! Natürlich waren sie durch ihre Schwangerschaft etwas eingeschränkt, aber das störte ihn weniger als sie selbst. Sie hatten einfach Spaß zusammen und lachten viel, wenn sie sich liebten. Tammys fröhliches Gemüt machte sich auch in ihrem Bett breit und es war vorgekommen, daß er ihr den Mund zuhalten musste, weil sie denn doch zuviel quatschte. Ohne viel Mühe konnte er sich vorstellen, wie es sein würde, wenn sie nicht mehr auf das Ungeborene Rücksicht nehmen mussten. Tammy ließ jedenfalls keine Gelegenheit aus, um ihm die himmlischsten Dinge in Aussicht zu stellen. Sie hatte sich königlich amüsiert als er ein wenig verlegen geworden war. Als wirkungsvollstes Mittel, sie zum Schweigen zu bringen, hatte es sich gezeigt, sie zu küssen. Für ihn stand jedenfalls fest, daß er mit noch keiner Frau so glücklich und zufrieden gewesen war, wie mit Tammy.

„Soll ich nicht doch mitkommen, Jon?“ Tammy blickte ihn mit großen Augen an.
Er schüttelte den Kopf und küsste sie zärtlich.
„Nein, lass mich mal alleine gehen! Du hast letzte Nacht schlecht geschlafen und siehst ganz schön fertig aus. Leg dich ein wenig hin und erhol dich! Ich hole dich danach ab und wir fahren zu mir rüber. Okay?“
Sie seufzte laut und gab nach. Sie küsste ihn schmatzend auf den Mund, dann verließ er das Haus.
Auf dem Weg zu seinen Eltern dachte er darüber nach, wie er am Besten zur Sprache bringen konnte, was er dringend los werden musste. Eine Lösung fand er nicht und ein bisschen Unruhe kam auf. Im Grunde tat er ja immer was er wollte, aber der Segen seiner Eltern war ihm dennoch wichtig. Irgendwie musste er das schon auf die Reihe kriegen! Tammy zuliebe.
Als er das Haus seiner Eltern betrat, roch es nach frischem Kaffee. Wie immer stand seine Mum in der Küche und rührte in Schüsseln und Töpfen. Er mochte ihre Betriebsamkeit, vor allem weil das Ergebnis meistens köstliches Essen war. Er küsste sie zur Begrüßung auf die Wange.
„Hi Mum! Ist Dad auch zuhause?“
Sie wies mit einem Kopfnicken in Richtung Wohnzimmer.
„Er sitzt vor dem Fernseher. Wie geht’s dir?“
Er antwortete nur knapp und ging seinen Dad holen. Neugierig folgte sein Vater ihm in die Küche und sie setzten sich an den Tisch. Seine Mutter kam mit Kaffee und Tassen dazu, setzte sich ebenfalls.
„Muß ja sehr wichtig sein, wenn du so förmlich wirst, Junge!“ bemerkte sein Dad.
Jon spürte die ernsten und neugierigen Blicke seiner Eltern. Er trank einen großen Schluck Kaffee, atmete tief durch und blickte ruhig in die Runde.
„Okay, ich mach’s kurz und schmerzlos! Ich liebe Tammy und wir sind zusammen! Ihr werdet also doch bald ein Enkelkind bekommen!“ ließ er die Bombe platzen.
Einen Moment lang herrschte Stille, dann fing sein Dad an zu lachen.
„Du hast länger gebraucht als ich dachte!“ bemerkte John sen. amüsiert.
„Wozu, Dad?“
„Um zu merken, daß Tammy ein tolles Mädchen ist! Hat dich das Baby abgeschreckt?“
„Vielleicht ein bisschen. Am Anfang.“ Gab Jon offen zu.
Sein Dad nickte verständnisvoll und klopfte ihm auf die Schulter.
„Hauptsache du hast die Kurve noch gekriegt! Ich freue mich für dich, Jonny!“
Jon nickte dankbar, wandte sich dann seiner Mum zu, die noch keinen Mucks von sich gegeben hatte. Ihre Miene war nicht so dunkel wie er befürchtet hatte.
„Mum?“ erkundigte er sich.
Sie straffte ein wenig die Schultern, sah ihn offen an.
„Du weißt hoffentlich, daß es nicht immer einfach sein wird mit dem Baby!“
„Natürlich bin ich mir darüber im Klaren, daß es problematisch werden könnte. Vor allem, da noch nicht klar ist, ob Tammys Ex sich um das Kind kümmern wird oder nicht. Aber sie hat ne klare Linie wie sie damit umgehen will und ich werde sie darin unterstützen. Wichtig ist, daß ich sie liebe und mich wahnsinnig auf das Baby freue!“
Seine Mutter tätschelte seine Hand und lächelte.
„Na gut! Ich habs mir zwar immer anders vorgestellt Großmutter zu werden, aber was soll es! Tammy ist ein liebes Mädchen, ich mag sie sehr. Warum hast du sie heute nicht mitgebracht?“
Jon atmete innerlich auf. Seine Eltern reagierten völlig anders als erwartet.
„Tammy hat letzte Nacht nicht gut geschlafen und ich fand es besser, wenn sie sich ein wenig ausruht. Außerdem war ich mir nicht sicher, ob ihr mir nicht gehörig den Kopf waschen werdet! Ich wollte nicht, daß sie womöglich zwischen die Fronten gerät!“ Er zuckte entschuldigend mit den Achseln.
Seine Mum lachte leise.
„Sieh an, du hattest die Hosen voll! Schadet dir nicht! Habt ihr schon Pläne gemacht? Wird Tammy bei dir einziehen? Habt ihr schon die Babyausrüstung gekauft? Ich sollte sie anrufen und mit ihr einkaufen fahren und vielleicht findet sich auf dem Dachboden ja noch so einiges von euren Babysachen!“
„Carol, Stopp! Überfordere die beiden nicht gleich mit deinem Tatendrang! Ich bin mir sicher sie kommen auch alleine klar!“ schaltete sich John sen. ein.
Jon war ihm dankbar.
„Mum, danke für dein Angebot! Wenn wir Hilfe brauchen, dann rufen wir dich auf alle Fälle an! Bis jetzt haben wir noch nicht drüber gesprochen wo wir wohnen werden. Wird sich noch zeigen.“
Seine Mum schien besänftigt zu sein und stand auf. Sie lehnte sich zu ihm herab und umarmte ihn kurz.
„Na gut, ihr regelt das schon! Pass mir gut auf die beiden auf!“
Jon lachte und küsste seine Mum auf die Wange.
„Mach ich! Versprochen!“
Er blieb noch eine halbe Stunde, in der sie auch noch andere Sachen besprachen.

Jon erledigte noch einige Einkäufe, dann fuhr er zurück zu Tammys Haus. Als er das Wohnzimmer betrat lag sie noch immer schlafend auf dem Sofa. Leise ging er neben dem Sofa auf die Knie. Die Locken hingen ihr zerzaust ins Gesicht, ihre Wangen waren ein wenig gerötet. Ein kleines, leises Schnarchen ließ ihn grinsen. Sanft berührte er ihre Wange mit dem Finger und küsste sie leicht auf die Stirn. Sie seufzte tief und wenige Sekunden später schlug sie die Augen auf. Sie blinzelte ein paar Mal, dann begannen ihre Augen zu leuchten.
„Hallo Cowboy!“ murmelte sie mit rauer Stirn.
„Hi Moby!“
Sie hob ein wenig den Kopf und beugte sich zu ihm vor. Sie lächelte als sie ihn küsste.
„Wie lief’s denn?“ fragte sie neugierig und strich durch seine Haare.
„Bestens! Sie freuen sich für uns und vor allem freuen sie sich auch auf das Baby. Meine Mum wird uns bald mit Babysachen überschütten.“
Er bemerkte die Erleichterung in ihrer Miene und erst jetzt wurde ihm klar, daß sie sich Sorgen gemacht hatte. Er zog sie behutsam in die Arme und streichelte ihr Haar.
„Du musst dir nicht länger Sorgen machen, Kleines! Jetzt können wir alles so regeln wie wir es wollen! Okay?“
Sie nickte an seiner Schulter, küsste ihn auf die Wange.

„Kommst du mit rein?“
„Muß das sein? Du weißt, daß ich Krankenhäuser und Ärzte hasse!“ wehrte er lahm ab.
Sie kniff ihn kräftig in die Wange.
„Jetzt hab dich nicht so! Du bist nicht der Patient und ich hätte dich gerne dabei, wenn der Doc ein neues Ultraschallbild macht. Bitte!“
Seufzend gab er nach und stieg aus dem Auto. Ihm war nicht sonderlich wohl bei der Sache. Dieser ganze Frauenkram rund um Schwangerschaft und Geburt machte ihm ein wenig Angst.
Zehn Minuten später saß er neben Tammy, die auf einer Untersuchungsliege lag. Man hatte ihr den Wollpulli hochgeschoben und der Doc schmierte gerade irgendein Gel auf den Bauch. Neugierig sah er dem Treiben des Arztes zu, der genau erklärte, was er da tat.
„Na bitte, da haben wir das Kleine ja schon!“ rief der Doc begeistert aus und zeigte auf den Monitor.
Jon folgte seinem Blick. Er konnte die Freude zuerst nicht recht verstehen. Für ihn sah das aus wie das Schneegestöber im Fernsehen nach Sendeschluß. Tammy griff nach seiner Hand und sie lächelte glücklich. Der Doc schien zu merken, daß er planlos war. Mit wenigen Deutungen erklärte er ihm das Bild und nun konnte auch er es erkennen. Das Bild wurde noch ein wenig schärfer und es nahm ihm den Atem. Wow!
„Sieht alles bestens aus, Tammy! Und sehen Sie mal, es hat den Daumen im Mund!“
Tammy sah ihn glücklich strahlend an, aber er brachte kein Wort heraus. Das Baby, daß er sich bisher noch nicht hatte vorstellen können, hatte nun Gestalt angenommen. Es war als würde es für ihn erst jetzt wirklich existieren.
„Ist das nicht süß, Jon? Unser Baby nuckelt am Daumen!“ flüsterte Tammy bewegt und drückte seine Hand.
Er konnte nur nicken, musste immer wieder zurück auf den Monitor blicken. Sie mussten ihn regelrecht aus dem Untersuchungszimmer zerren, weil er sich nicht von dem Anblick lösen konnte. Freudig schwenkte Tammy das neue Ultraschallbild vor seiner Nase und grinste breit.
„Meinst du, du wirst deine Sprache noch vor der Geburt wieder finden?“ zog sie ihn auf.
Er holte tief Luft.
„Das ist alles einfach unglaublich! Macht mich völlig fertig, Tammy! Gib mir ein bisschen Zeit um das auf die Reihe zu kriegen!“ stieß er fast atemlos hervor.
Besorgnis zeigte sich in ihren Augen und sie blieb wie angewurzelt stehen.
„Kriegst du kalte Füße?“
„Um Himmelswillen nein! Mir wäre es am liebsten, wenn du das Baby gleich morgen kriegst! Ich bin so neugierig auf das Kleine!“ rief er beschwichtigend aus.
Sie knuffte ihn kräftig in die Seite und steuerte auf den Wagen zu.
„Jag mir nie wieder solche Angst ein, Jon! Ich mach dich kalt!“ drohte sie ihm zwinkernd.

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