Sonntag, 3. Juni 2007

Chapter 6


Nervös wischte sich Jon die Hände an der Hose ab. Er tastete die Jackentasche ab, fand was er suchte. Warum nur war er so nervös? Tammy hatte ihn doch schon häufig zum Essen zu sich eingeladen! Okay, aber da hatte er noch nicht gewusst, welche Gefühle er wirklich für sie hegte! Jetzt war alles anders und es war nervenaufreibend. Mühsam riß er sich zusammen, streckte die Hand nach der Türklingel aus. Bevor er sie drücken konnte, wurde die Tür schwungvoll aufgerissen und Tammy stand vor ihm.
„Ich hab schon gedacht du willst da draußen Wurzeln schlagen, Jon!“ zog sie ihn grinsend auf.
Schlagartig schoß ihm die Röte ins Gesicht. Sie hatte also mitbekommen, daß er minutenlang vor der Tür gezögert hatte! Fing ja prächtig an! Er rang nach einer Antwort, aber er hatte nur Augen für Tammy. Sie trug ein schwarzes, Samtkleid, daß eng an ihrem Busen anlag und dann in sanftem Schwung über ihren Babybauch fiel. Das Kleid zeigte ein hübsches, volles Dekollete und viel von ihren schönen Beinen. Ihre Locken waren zum Teil hochgesteckt, der Rest fiel in weichen Wellen auf ihre Schultern. Sie sah atemberaubend aus!
„Sorry! Schön dich zu sehen, Tammy!“ erwiderte er letztendlich.
Sie lachte und griff nach seinem Arm, um ihn ins Haus zu ziehen. Nachdem er seine Jacke an die Garderobe gehängt hatte, standen sie sich gegenüber. Sie lächelte sanft und breitete die Arme ein wenig aus. Die kleine Geste genügte um ihn sicherer werden zu lassen. Behutsam umarmte er sie und küsste sie auf die Wange.
„Schön, daß du zurück bist!“ murmelte sie an seiner Schulter.
Nur zögerlich ließ er sie wieder los und gab ihr einen Klaps auf den Po.
„Gibt’s hier auch was zu essen?“ neckte er sie grinsend.
Amüsiert den Kopf schüttelnd ging sie ihm in die Küche voraus. Sie hatte den Esstisch bereits gedeckt und es roch köstlich. Er musste leise lachen, als er die Tischdeko entdeckte. Sie hatte ein wenig Sand auf die Tischdecke gestreut und mit hübschen Muscheln verziert.
„Das sieht toll aus!“ lobte er sie aufrichtig.
„Naja, ich dachte ich kann damit deine Karibiklaune noch ein bisschen verlängern!“ gestand sie freudig.
Er nickte zustimmend und gesellte sich zu ihr an die Frühstückstheke. Neugierig schielte er zu den Töpfen und Pfannen hinüber.
„Dauert noch ein paar Minuten! Lass uns erstmal auf deine Rückkehr und auf deinen Erfolg anstoßen!“
Er wandte sich ihr wieder zu und sie hielt zwei Cocktailgläser in den Händen. Die Drinks schimmerten gelb und rot, waren mit Orangenscheiben verziert. Tammy führte ihr Glas an die Lippen, reichte ihm sein Glas. Erschrocken riß er ihr die beiden Drinks aus der Hand und schüttete sie in das Waschbecken.
„Spinnst du? Du wirst keinen Alkohol trinken und dem Baby damit schaden!“ rief er entsetzt aus.
Ihre Augen waren weit aufgerissen, dann fing sie schallend an zu lachen. Wenig amüsiert wartete er ab, bis sie sich wieder beruhigt hatte. Sie wischte sich vorsichtig über die Augenwinkel, grinste noch immer breit.
„Du bist süß, Jon! Die Drinks waren harmlos und völlig alkoholfrei! Schade, die Dinger haben wirklich toll geschmeckt!“ zog sie ihn auf.
Betreten senkte er den Blick. Nur sehr selten war er sich so dämlich vorgekommen wie gerade in diesem Augenblick! Er war noch keine 5 Minuten hier und hatte sich bereits zweimal gründlich blamiert! Wenn das so weiterging, dann konnte er sich auch gleich den Strick nehmen!
„Entschuldige, Tammy! Ich hätte nicht so überreagieren dürfen! Tut mir leid, daß du dir die Arbeit umsonst gemacht hast!“ murmelte er geknickt.
Geheimnisvoll lächelnd ging sie zum Kühlschrank und öffnete ihn. Triumphierend hielt sie einen Krug, gefüllt mit dem Cocktail in die Höhe.
„Nur gut, daß ich vorgesorgt habe! Aber nett, daß du dich so sehr um unser Wohlbefinden sorgst! Setz dich jetzt lieber und bevor du wieder etwas entsorgst, frag mich bitte vorher! Okay?“ neckte sie ihn.
Erleichtert nickte er und setzte sich folgsam an den Tisch. Zum Glück war sie nicht böse, sondern schien sich zu amüsieren.
Wenig später servierte sie zur Vorspeise einen köstlichen Salat und frisch gebackenes Brot. Während sie aßen, quetschte sie ihn über die Band aus. Er berichtete ihr ausführlich davon. Sie freute sich aufrichtig für ihn und es tat ihm gut mit ihr darüber zu reden. Sie begriff schnell die Zusammenhänge und erkannte die Chancen, die sich daraus ergaben.
„Ist doch alles wunderbar! In ein paar Monaten setzt ihr euch zusammen und die Arbeit für ein neues Album kann los gehen. Nur schade, daß Richies Soloalbum nicht so erfolgreich geworden ist! Er hätte es wirklich verdient gehabt! Ich habs mir letzte Woche gekauft und seitdem höre ich es immer wieder! Ich liebe die Songs!“ schwärmte Tammy.
„Seh ich genauso! Richies Album ist großartig und hätte mehr verdient! Leider wieder mal ein Beweis dafür, daß gute Musik nicht mehr von vielen geschätzt wird! Heute musst du schon aus Seattle kommen und mit Depressionen gesegnet sein, damit du mit Grunge Erfolg haben kannst! Wird ein hartes Stück Arbeit werden, um ein erfolgreiches Comeback hinzulegen!“ Er seufzte tief.
„Mag sein! Aber hör auf zu jammern und mach dich lieber an die Arbeit!“ entgegnete Tammy unwirsch.
Er nahm es ihr nicht übel, denn sie hatte Recht.

„Du hast Farbe gekriegt und deine Haare sind von der Sonne viel heller geworden! Steht dir gut!“
Er zuckte ein wenig verlegen die Achseln.
„Danke! Aber du siehst auch erholt aus! Die paar Tage bei deinen Eltern müssen dir gut getan haben!“
Sie nickte lächelnd und zog die Beine bequem unter sich. Sie waren fertig mit essen und saßen sich nun auf dem Sofa gegenüber. Tammy hatte sich in eine Sofaecke verzogen und lehnte sich entspannt in die Kissen. Im sanften Kerzenlicht schimmerten ihre schwarzen Strümpfe seidig an ihren Beinen. Die Pumps hatte sie längst von den Füßen gekickt.
„Hm, war nett bei meinen Eltern. Mal nicht den ganzen Tag auf den Beinen sein und sich um alle möglichen Probleme zu kümmern hat was! Langsam wird’s etwas beschwerlich mit dem dicken Bauch.“ Gab sie zu.
Jon lachte leise und kniff sie liebevoll ins Knie.
„Na bitte, ich habs dir ja gesagt! Das Baby wird drei Kreuze gemacht haben, daß es von jetzt an ruhiger werden wird! Wie lange wird dich deine Mum denn vertreten?“
„Hah, ich werde drei Kreuze machen, wenn das Kleine endlich geschlüpft ist! Bald rolle ich nur noch durch die Gegend! Meine Mum kann mich solange vertreten wie ich möchte. Sie überlässt es ganz mir, wann ich wieder anfangen will. Mein Bruder hilft nun meinem Dad und ist ganz scharf darauf etwas zu lernen. So kurz nach seinem Abschluß ist der Elan noch riesig!“ Sie zwinkerte ihm zu und sein Herz schlug augenblicklich schneller.
Ihr Haar schimmerte sanft und ihre Wangen trugen einen rosigen Glanz. Ein paar Locken hatten sich aus ihrer Frisur gelöst und kringelten sich frech um ihre Ohren. Ihr Lächeln war heute besonders hübsch, wie er fand! Er konnte sich einfach nicht mehr von ihrem Anblick los reißen und er hatte völlig den Faden ihres Gesprächs verloren. Zunächst blickte sie ihn abwartend an, dann trat ein neuer Ausdruck in ihre Augen. Deuten konnte er ihn nicht, aber ihm wurde warm. Zudem verflog auch noch der Rest seiner Anspannung, das Atmen fiel ihm leichter. Er rutschte näher an sie heran, berührte mit den Fingerspitzen ihre Hand, die auf ihrem Bein ruhte.
„Tammy, ich muß dir was sagen!“ kündigte er leise an.
Sie schüttelte leicht den Kopf und berührte mit dem Zeigefinger seine Lippen.
„Du musst nichts sagen! Ich weiß es, Jon!“ erwiderte sie ebenso leise. Ihr Finger strich federleicht über seine Unterlippe, er bekam Gänsehaut.
„Was weißt du?“ fragte er verblüfft.
Sie kam ihm näher, er spürte ihren Atem auf seinem Gesicht. Er versank in ihren dunklen Augen.
„Alles! Der kleine Abstand hat uns beiden gut getan, denn jetzt wissen wir um unsere Gefühle! Hab ich Recht?“ flüsterte sie ruhig.
Eine riesige Welle der Erleichterung fegte über ihn hinweg. Sofort folgte die Freude, die er dennoch zügelte.
„Und du bist dir ganz sicher?“
Ein nachsichtiges Lächeln huschte über ihre Lippen.
„So sicher wie man sich nur sein kann! Als du damals nach deinem ersten Besuch gegangen bist, hast du etwas ganz wichtiges mitgenommen und nicht mehr zurückgebracht!“ Sie lächelte bezaubernd und ein Funkeln lag in ihren Augen.
„Und was war das?“
Blitzschnell hauchte sie ihm einen Kuß auf die Lippen.
„Mein Herz.“ Flüsterte sie mit warmer Stimme.
Zu beschreiben was er in diesem Augenblick fühlte war unmöglich. Bewegt und glücklich nahm er sie in die Arme. Er ertrank in ihren Augen, dann küsste er sie behutsam. Sie kam ihm entgegen, wurde weich in seinen Armen und an seinen Lippen. Sie schmeckte süß nach Ananas, dem Dessert, daß sie gegessen hatten. Er hätte sie stundenlang weiterküssen können, aber sie löste sich sanft von ihm. Ihr ganzes Gesicht strahlte, ihre Lippen schimmerten feucht und zarte Röte bedeckte ihre Wangen. Sie streichelte über seine Wange.
„Wirst du es behalten?“ fragte sie unsicher.
„Für immer.“
Sie nickte zufrieden.
„Und deins?“
Er lachte leise und zog ihre Hand von seiner Wange weg und legte sie auf seine Brust.
„Besitzt du längst! Aber du wirst es mit dem Würmchen teilen müssen!“
Ihre Augen füllten sich mit Tränen und er zog sie zurück in seine Arme. Zärtlich streichelte er ihr Gesicht und küsste sie ausgiebig. Sie seufzte leise und schlang die Arme um seinen Nacken.

Als er zurück ins Wohnzimmer kam, stand Tammy an der Stereoanlage und hatte Musik aufgelegt. Sie lächelte ihm entgegen und er trat rasch zu ihr.
„Ich habe dir noch etwas mitgebracht, Moby!“
Sie hob überrascht die Augenbraue.
„Noch mehr?“
Er nickte und hielt ihr eine kleine Schachtel hin. Sie nahm sie und öffnete sie langsam.
„Wow, sind die schön! Vielen, herzlichen Dank, Jon!“ rief sie begeistert aus.
„Soll ich dir helfen?“
Sie drückte ihm die Schachtel in die Hand und entnahm die Ohrringe. Schnell hatte sie sie angelegt. Sie lief zum Spiegel im Flur und kam strahlend zurück.
„Sie sehen toll aus! Ich habe mir immer schon solche Perlen gewünscht!“
Er fasste sie um die Taille und zog sie an sich. Aufmerksam begutachtete er sie. Die Perlenohrringe glänzten fein und standen ihr hervorragend. Sein Instinkt beim Kauf hatte ihn nicht im Stich gelassen!
„Jetzt hast du die hübschesten Öhrchen, die ich kenne!“ kommentierte er lächelnd.
Sie dankte ihm mit einem leidenschaftlichen Kuß, der ihm die Knie weich werden ließ. Lange hielten sie sich fest umarmt, bis Tammy begann sich langsam im Takt zur Musik zu wiegen. Sie hob den Kopf und blickte ihn bittend an.
„Bitte tanz mit mir!“
Innerlich seufzend gab er nach. Tanzen war nicht sein Ding, aber wer konnte ihr schon einen Wunsch abschlagen? Langsam bewegten sie sich zur Musik, aber Tammy war nicht zufrieden. Sie löste sich aus seinen Armen.
„Der Bauch ist im Weg!“ beschwerte sie sich jämmerlich.
Jon musste lachen, aber er hatte eine Idee. Behutsam fasste er sie an den Schultern und drehte sie um. Hinter ihr stehend schlang er die Arme um ihren Bauch und küsste sie auf die Wange.
„Besser so? Es gibt für alles ne Lösung, Moby!“ neckte er sie.
Sie kicherte leise und schmiegte sich mit dem Rücken eng an seinen Körper. Seine Finger streichelten sanft über die feste Wölbung ihres Bauchs, seine Lippen huschten über ihre Wange, ihren Nacken. Sie schnurrte zufrieden und räkelte sich an ihm. Augenblicklich wurde ihm heiß und alles Blut schoß in südliche Gefilde. Es dauerte nicht lange, bis sie es bemerkte. Aufreizend streifte sie mit ihrem Po seine Lenden.
„Anscheinend müssen wir jetzt DEIN Problem lösen!“ neckte sie ihn.
Er brummte nur rau, gab ihr keine Antwort. Sie befreite sich aus seiner Umarmung und drehte sich zu ihm um. Ein schelmisches Lächeln lag um ihre Mundwinkel.
„Ich hab da auch schon so eine Idee!“ verkündete sie fröhlich.
Jon wurde noch heißer, ihm fielen ebenfalls einige Lösungen ein und keine davon beruhigte seinen Zustand.
„Ich halte das für keine gute Idee!“ wehrte er ab.
„Warum nicht?“ fragte sie verblüfft.
„Weil wir nichts überstürzen sollten! Wir sollten warten!“
Ihre Reaktion überraschte und verwirrte ihn, damit hatte er nicht gerechnet. Sie stemmte die Hände in die Seiten und funkelte ihn aufgebracht an.
„Worauf sollen wir warten? Wenn du glaubst, daß ich noch mehr als 2 Monate darauf warte mit dir zu schlafen, dann liegst du aber gewaltig daneben! Fuck, ich hätte dich am liebsten schon vor Wochen angesprungen!“ empörte sie sich hitzig.
Wieder schoß ihm die Röte in die Wangen. Himmel, das wurde ja langsam zur lästigen Gewohnheit! Er schluckte hart und hatte Mühe ihr in die Augen zu sehen.
„Und wenn’s dem Baby schadet?“ warf er ein.
Sie warf genervt die Hände in die Luft.
„Bullshit! Was mir gut tut, bekommt auch dem Baby! Ich hab meinen Doc gefragt und es gibt keinen Grund auf Sex zu verzichten! Himmel, ich bin schließlich schon ne halbe Ewigkeit abstinent, Jon!“
Ihre Worte beruhigten ihn ein wenig, seine Bedenken schwanden. Wenn schon der Doc grünes Licht gab!
„Aus der Nummer komm ich wohl nicht mehr raus, oder?“ fragte er grinsend.
Sie schüttelte lachend den Kopf und küsste ihn schmatzend.
„Kannst du vergessen!“ murmelte sie an seinen Lippen.

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