Sonntag, 3. Juni 2007
Chapter 4
„Los, los, raus aus der Küche! Nehmt euren Nachtisch mit nach oben, Jungs!“
„Warum, Mum?“ fragte Tony nach.
„Frag nicht, ich muß mit Jon sprechen und das geht euch nichts an!“
Nun wurde Jon hellhörig. Seine Mum nannte ihn nur dann Jon und nicht Jonny, wenn er etwas ausgefressen hatte. Fieberhaft zerbrach er sich den Kopf, ob er etwas angestellt haben könnte, was sie verärgert hatte. Ihm fiel nichts ein. Ungeduldig wartete er ab bis seine Brüder sich verzogen hatten. Seine Mum stand auf und brachte das Geschirr zur Spüle, dann blieb sie neben ihm stehen und sah ihn fest an.
„Hast du mir nicht etwas zu erzählen, Junge?“
Er riss die Augen auf.
„Nicht, daß ich wüsste!“ Er wollte aufstehen. Sie drückte ihn mit erstaunlicher Kraft auf den Stuhl zurück.
„Oh doch!“ erwiderte sie scharf.
„Mum, anscheinend weißt du mehr als ich! Warum klärst du mich nicht auf was ich dir zu sagen habe?“ begehrte er auf.
Argwöhnisch verfolgte er wie sie sich auf ihren Platz setzte. Sie fixierte ihn.
„Okay. Man hat dich in den letzten Wochen häufig mit einem Mädchen zusammen gesehen. Wer ist sie?“
„Das wird Tammy gewesen sein.“ Gab er wortkarg zurück. Er war nicht verwundert, daß er gesehen worden war. Typisch für seine Heimat!
„Tammy also. Mehr hast du mir nicht über sie zu sagen?“ bohrte sie weiter, die Augen funkelten aufgebracht.
Er zuckte mit den Schultern.
„Wüßte nicht was und schon gar nicht warum! Mum, ich bin dir keine Rechenschaft schuldig! Halt dich gefälligst aus meinem Leben raus!“ schoß er zurück.
„Sprich nicht so mit mir! Du bist noch nicht aus dem Alter raus, dir ne Ohrfeige einzuhandeln!“ brauste sie auf.
Jetzt wurde es ihm langsam zu bunt! Wütend schlug er mit der Hand auf den Tisch.
„Shit Mum! Du vergisst, daß ich inzwischen 29 bin und keine 10 mehr!“
„Dann benimm dich wie ein Mann! Wann hattest du denn vor mich auf zuklären, daß ich Großmutter werde?“ fauchte sie zurück.
Nun fiel es ihm wie Schuppen von den Augen! Er brach in schallendes Gelächter aus. Er bemerkte den entsetzten Blick seiner Mutter und riss sich mühsam zusammen.
„Mum, ganz ruhig! Du wirst nicht Großmutter! Tammys Baby ist nicht von mir!“
„Sicher?“
Er lachte leise.
„Ganz sicher!“
Augenblicklich machte sich Erleichterung in der Miene seiner Mum breit. Sie atmete tief durch.
„Und warum seht ihr euch dann so oft?“
„Weil ich sie mag und gerne mit ihr zusammen bin. Sie ist eine Freundin von mir, nicht mehr und nicht weniger!“ erklärte er ruhig.
In aller Ruhe erzählte er ihr wie er Tammy kennengelernt hatte und was sie seitdem verband. Auch der letzte Rest von Zweifel wich aus dem Gesicht seiner Mutter. Erleichtert stand sie auf und holte frischen Kaffee.
„Lad sie für Sonntag zum Mittagessen ein! Ich würde sie gerne kennenlernen!“
Jon war verblüfft. Nach all der Aufregung hatte er damit nicht gerechnet.
„Gut, mach ich! Darf ich jetzt gehen oder willst du mich noch länger foltern?“ zog er sie grinsend auf.
Sie lächelte schief und küsste ihn rasch auf die Wange.
„Verschwinde, bevor mir noch mehr einfällt! Ich muß nachdenken wie ich in der Nachbarschaft deinen Ruf retten kann!“
Er verschluckte sich vor lauter Lachen und konnte auf dem Weg nach draußen nur krächzen.
„Meinst du nicht, daß es dafür ein bisschen zu spät ist?“
Als er den Weg zu seinem Auto hinunter ging, hörte er sie noch immer herzlich lachen.
„Deine Familie ist toll! Oder war deine Mum nur deshalb so nett zu mir, weil mein Baby nicht von dir ist?“ fragte Tammy.
Sie waren gerade von Jons Eltern aufgebrochen und Jon fuhr sie nachhause. Er grinste sie von der Seite an.
„Quatsch! Meine Mum hätte dich nicht wieder eingeladen, wenn sie dich nicht wirklich mögen würde! Und so toll ist sie auch wieder nicht! Du solltest mal mitkriegen, wie sie ist wenn sie mich verhört!“
Tammy kicherte amüsiert.
„Würde ich gerne mal hören! Trotzdem glaube ich, daß sie erleichtert ist, weil sie nicht Großmutter wird!“
„Mag sein. Dabei wünscht sie sich sehnlichst Enkelkinder und liegt mir damit immer wieder in den Ohren!“ gab er offen zu.
Tammy sah ihn von der Seite an.
„Und woran liegts, daß du sie noch nicht zur Großmutter gemacht hast?“ bohrte sie neugierig nach.
Er dachte einen Moment nach bevor er ihr antwortete.
„Ich hatte für Familie noch keine Zeit, außerdem ist mir die Richtige noch nicht über den Weg gelaufen! Aber vor allem fühle ich mich noch nicht reif genug für eigene Kinder!“
Er bemerkte ihren skeptischen Blick.
„Glaubst du etwa ich fühle mich reif genug? Sorry, aber wenn ich darauf hätte warten wollen, dann würde ich wahrscheinlich kinderlos sterben! Manchmal ist es eben besser es zu nehmen wie es kommt! Du solltest mal drüber nachdenken, ob es sich wirklich auszahlt ein Kontrollfreak zu sein!“ erwiderte sie mit Nachdruck.
Wie schon so oft konnte er auf ihre klugen Worte nichts erwidern.
„Tammy, jetzt lass gut sein! Wer soll denn das alles essen? Ich habe Richie nicht zum Essen, sondern zum Reden eingeladen!“ Er schob sie behutsam aus der Küche.
„Ihr müsst aber auch mal was essen! Und wenn ihr später einen oder zwei hebt, dann ist es besser ihr habt was im Bauch!“ verteidigte sie sich grinsend.
Jon lachte nur leise und ging mit Tammy ins Wohnzimmer. Er drückte sie in den bequemen Sessel und schob ihr einen Hocker unter die Füße. Nachdem Richie das geplante Treffen zweimal verschieben musste, sollte es an diesem Abend endlich stattfinden. Tammy hatte unbedingt etwas zu Essen für sie vorbereiten wollen und er hatte schließlich nachgegeben. Ebenso hatte sie darum gebettelt Richie kennenlernen zu dürfen. Er hatte nicht ablehnen können und deshalb war sie nun noch hier, obwohl Richie jederzeit aufkreuzen konnte. Er spürte, daß sie ein wenig nervös war, aber das war er selbst auch. Es war lange her, daß er seinen Kumpel zuletzt gesehen hatte.
Die Begrüßung zwischen ihm und Richie fiel überraschend herzlich aus, obwohl so viele Dinge zwischen ihnen standen. Als Jon Richie ins Wohnzimmer führen wollte, standen sie plötzlich Tammy gegenüber. Jon hatte gar nicht gehört, daß sie ihm in die Eingangshalle gefolgt war. Richie blickte ihn fragend an, reichte jedoch Tammy die Hand.
„Hi, ich bin Richie!“
Jon wandte sich an Tammy.
„Tammy, daß ist meine rechte Hand Richie! Richie, daß ist Tammy, eine gute Freundin von mir!“ stellte er die beiden vor.
Tammy lächelte.
„Hallo Richie! Ich habe schon soviel von dir gehört und ich wollte dich unbedingt kurz kennenlernen! Ich werde aber gleich verschwinden, damit ihr ungestört seid!“
Richie schüttelte lächelnd den Kopf.
„Bleib doch bitte noch, Tammy! Ich hoffe nur, daß dir Jon nicht nur die schlimmsten Geschichten von mir erzählt hat!“
„Schlimme Geschichten? Von dir? Niemals! Traue ich dir gar nicht zu, Richie!“ konterte sie zwinkernd.
Jon bemerkte Richies verwirrten Blick und grinste breit.
„Jon, du Verräter!“ zischte Richie gespielt ärgerlich.
Die Drei lachten herzlich und gingen ins Wohnzimmer.
„Hey Alter, du warst ja fleißiger als ich dachte!“ rief Richie lachend aus als Jon zurück kam, nachdem er Tammy zur Tür gebracht hatte.
„Häh?“
Richie hielt ihm seine Bierflasche zum Anstoßen entgegen.
„Na komm schon! Du hast nicht nur ein Soloalbum rausgebracht, sondern beglückst die Welt mit einem weiteren Bongiovi! Glückwunsch, Alter!“
Jetzt dämmerte es Jon und er hob abwehrend die Hände.
„Stopp, da liegst du völlig falsch! Ich bin nicht der Vater von Tammys Baby! Warum unterstellt mir jeder, daß ich sie geschwängert habe?“ wehrte er sich genervt.
Richie lachte gröhlend.
„Das fragst du dich wirklich? Hey, dein Lebensweg ist mit gebrochenen Herzen gepflastert und jeder hier in Jersey weiß das! Als Unschuldslamm gehst du nun wahrlich nicht durch!“ zog er ihn auf.
Jon schnaubte, aber er musste nun doch lachen.
„Okay, ich habs begriffen! Aber Tammy ist lediglich eine gute Freundin!“
Richie schwieg lange und er blickte ihn dabei nachdenklich an.
„Sicher? Für mich sieht das allerdings ernst aus!“
„Wie bitte? Du spinnst doch!“ empörte sich Jon.
Rich winkte nachsichtig lächelnd ab.
„Ich sehe schon, es hat sich nichts verändert! Läuft dir mal ein wirklich schnuckeliges Mädchen über den Weg, dann bemerkst du es gar nicht! Nimm endlich mal die Tomaten von den Augen! Jon, Tammy ist ein Juwel unter all den falschen Klunkern in deinem Leben!“
Jon raufte sich die Haare.
„Ein Juwel mit dickem Bauch, Rich! Du bist derjenige, der mal die Tomaten entfernen sollte!“
„Na und? Sie bekommt ein Baby, es ist nicht deins. Wo liegt das Problem? Sie ist die Erste deiner Weiber, die mal vernünftig tickt! Sie hat was im Kopf, besitzt ne Menge Witz und sie sieht entzückend aus. Greif zu, Jon! So eine läuft dir nicht zweimal über den Weg!“
„Du willst wissen wo das Problem liegt? Ich sags dir, Rich! Ich bin noch nicht so weit einen auf Familie zu machen! Himmel, das kostet ne Menge Verantwortung!“ rief Jon ärgerlich aus und lief unruhig durch den Raum.
Richie erhob sich und ging zur Hausbar. Mit einem Drink in der Hand blieb er vor Jon stehen und sah ihn fest an.
„Werde endlich erwachsen, Jon!“
„Tammy, ich wollte dir nur schnell sagen, daß ich ein paar Tage nicht da bin! Ich fliege mit den Jungs in die Karibik, so ne Art Betriebsausflug. Wir müssen noch ein paar Sachen klären und wollen sehen ob wir noch miteinander auskommen.“ Erklärte er ihr am Telefon.
„Toll! Lief es gut mit Richie? Ich mag ihn, er ist so witzig und charmant!“
Er konnte quasi sehen, daß sie lächelte.
„Ja, es lief wirklich gut! Wir sitzen wieder in einem Boot und wir sind zuversichtlich, daß die anderen auch mit einsteigen. Pass gut auf dich auf, Kleines! Ich melde mich, wenn ich wieder zurück bin!“
„Okay, dann wünsche ich dir viel Glück und Erfolg! Mach’s gut und denke auch ein wenig an deine Leber!“
Er grinste noch nachdem er längst aufgelegt hatte.
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