Sonntag, 3. Juni 2007

Chapter 10


Die nächsten vier Wochen verliefen hektisch. In Jons Haus zogen die Handwerker ein und tapezierten das neue Kinderzimmer. Tapeten und Möbel hatten sie gemeinsam ausgesucht und so nach und nach wurde das Zimmer perfekt. In Jons riesigem Bad stand nun auch ein Wickeltisch, der noch etwas fehl am Platze wirkte. Er war sich jedoch sicher, daß sich das bald ändern würde, wenn das Baby erstmal da war. In aller Eile absolvierten sie noch gemeinsam einen Kurs zur Geburtsvorbereitung. Jon kam sich zwar ziemlich dämlich vor, zwischen all den werdenden Eltern auf dem Boden zu sitzen und zu hecheln, aber er brachte es Tammy zuliebe hinter sich. Je näher es auf den Geburtstermin zu ging, desto nervöser wurde Tammy. Schon kleinste Unstimmigkeiten brachten sie aus der Fassung und ließen sie in Tränen ausbrechen. Nicht immer verstand Jon worum es ging, aber mit etwas Geduld konnte er ihre Heulattacken ertragen. Besonders schlimm war es an dem Abend, als sich beide Familien zum Abendessen trafen, um sich kennen zulernen. Tammy gefiel sich in ihrem Umstandskleid nicht und auch an ihren Haaren hatte sie etwas auszusetzen. Sie jammerte und klagte und ging ihm bald gehörig auf die Nerven. Entnervt fasste er sie an den Schultern und sah sie fest an.
„Moby, du siehst toll aus! Hör auf zu jammern, dafür gibt’s keinen Grund! Das Kleid steht dir und deine Lockenmähne sieht umwerfend aus! Jetzt schenke mir endlich mal wieder ein Lächeln, Baby!“ Er zwinkerte ihr amüsiert zu.
Mehr als ein schiefes Grinsen bekam er jedoch nicht zu sehen. Schweigend ging sie zurück ins Bad und zupfte weiterhin an ihren Haaren herum. Wenig später folgte er ihr um seine nassen Haare trocken zu fönen. Er war fast fertig, als sie plötzlich neben ihm stand und ihn kritisch musterte.
„Wenn unser Baby die Augen aufmacht, dann wird es keine Ahnung haben wer von uns beiden die Mummy ist!“
Verwirrt blickte er sie an und schaltete den Fön ab.
„Ich dachte du magst meine langen Haare!“
„Stimmt ja auch! Ich denke nur an das Kleine! Es wird ein bisschen verwirrt sein!“
Mit diesen Worten verließ sie das Bad und ließ ihn ratlos zurück.
Das Essen mit den Familien verlief prächtig. Man war sich sofort sympathisch und es wurde ein sehr entspannter Abend. Auch Tammy kam zusehends zur Ruhe und konnte wieder lachen. Jon atmete erleichtert auf.

Zwei Wochen vor der Geburt bestand Jon darauf, daß Tammy nun jede Nacht bei ihm verbrachte. Er wollte sie nicht mehr alleine lassen, um an ihrer Seite zu sein wenn es denn los ging. Zunächst sträubte sie sich, aber sie gab letztendlich nach. Die Aussicht jeden Tag ein Bad im Whirlpool nehmen zu können, war denn doch zu verlockend. Jon ließ Tammy immer nur kurz alleine, wenn er aus dem Haus musste um etwas zu erledigen. Er war unruhig und in ständiger Sorge um sie. Eines Tages bat er seine Mutter Tammy Gesellschaft zu leisten, da er den ganzen Nachmittag unterwegs sein würde.
„Mum, sei so lieb und komm zu uns rüber! Ich hab was zu erledigen und ich möchte, daß du ein wenig auf sie aufpasst. Aber um Himmelswillen verrate ihr nicht, daß ich dich drum gebeten habe! Sie reißt mir sonst den Kopf ab!“ bat er sie am Telefon.
Er hörte seine Mum leise lachen.
„Kein Problem, Junge! Ich hab sowieso noch was, daß ich ihr bringen wollte! Was treibst du denn unterwegs?“
„Danke! Kann ich dir nicht verraten, aber du wirst es bald sehen, Mum! Bis später!“
Eine Stunde später stand seine Mum auf der Matte und er ließ die beiden Frauen alleine. Er hatte viel vor!

„Oh Heaven! Jon, bist du unter nen Rasenmäher gekommen?“ schrie Tammy entsetzt auf.
Er schluckte hart, fuhr sich unsicher durch die Haare. Sah er so schlimm aus?
„Gefällts dir nicht?“
Sie trat näher, betrachtete ihn ausführlich. Sie zupfte eine Strähne zurecht und lächelte zufrieden.
„Doch, es steht dir hervorragend! Ist nur ein bisschen ungewohnt dich mit kurzen Haaren zu sehen! Wie bist du denn auf diese Idee gekommen?“
„Naja, du hast doch neulich gesagt, daß unser Baby keinen Plan haben wird, wer von uns beiden die Mummy ist! Und ich fand, wir müssen es dem Kleinen ja nicht unnötig schwer machen!“ erwiderte er grinsend.
Sie lachte herzlich und umarmte ihn.
„Mir gefällts jedenfalls! Du siehst sexy aus, Cowboy!“ murmelte sie an seinen Lippen und küsste ihn ausgiebig.
Er atmete erleichtert auf. So ganz sicher, ob er wirklich das Richtige getan hatte, war er sich nicht gewesen. Ihre Reaktion beruhigte ihn und an die kalten Ohren würde er sich bestimmt auch noch gewöhnen.
„Ich hab aber noch eine Überraschung für dich! Komm mal mit!“ Er nahm sie an die Hand und führte sie um die Ecke zu den Garagen. Abwartend blieb er stehen und zeigte auf den neuen Wagen. Ratlos blickte Tammy ihn an.
„Und?“
Er seufzte tief.
„Mehr hast du nicht dazu zu sagen, daß ich ne Familienkutsche gekauft habe? Meinst du etwa, ich würde mir ohne Not einen Kombi kaufen?“ erklärte er.
Sie sah noch mal zu dem Wagen hin und drehte sich wortlos weg um zu gehen.
„Hat dich niemand dazu gezwungen! Du bist derjenige, der Daddy spielen will!“ blaffte sie und verschwand um die Ecke.
Ihre Worte trafen einen empfindlichen Nerv in seinem Inneren.
„Dann sieh doch zu wie du deinen Kinderwagen in die Corvette kriegst!“ schrie er ihr beleidigt nach.
Als er das Haus betrat, kam ihm seine Mutter mit besorgtem Blick entgegen.
„Habt ihr euch gestritten? Tammy ist wie eine Furie nach oben verschwunden.“
Er zuckte mit den Schultern.
„Lass sie, sie hat ihre 5 Minuten!“ knurrte er genervt.
Aufmunternd drückte seine Mutter seinen Arm.
„Das wird schon wieder und hört bald auf! Deine neue Frisur gefällt mir übrigens! Wurde ja mal langsam Zeit, daß du dich von deiner Matte verabschiedest!“
Er warf ihr lediglich einen harten Blick zu und verschwand in der Küche. Danke, die dummen Sprüche seiner Mum hatte er sich lange genug anhören müssen!

„Es tut mir leid!“
Jon drehte sich langsam um, sah Tammy in der Küchentür stehen. Sie sah zerknirscht aus und ihre Augen waren gerötet.
„Schon gut, Tammy!“ erwiderte er leise und drehte sich zum Backofen um. Er öffnete die Backofentür und stellte die Lasagne hinein, die seine Mum ihnen mitgebracht hatte. Als er sich aufrichtete, stand Tammy hinter ihm und schlang die Arme um seinen Bauch. Er fühlte ihre Lippen im Nacken und bekam Gänsehaut.
„Ich finds rührend, daß du einen Familienkombi gekauft hast, obwohl du deine Sportflitzer liebst! Danke dir, Cowboy!“
Er streichelte über ihre kleinen Hände und sein Ärger verflog gänzlich. So war es immer! Er konnte ihr einfach nicht lange böse sein!
„Naja, ich hab natürlich den Kombi mit Sportausstattung genommen!“ bemerkte er trocken.
Sie brach in herzliches Gelächter aus und er drehte sich in ihren Armen um.
„Hätte ich mir doch denken können! Trotzdem vielen Dank! Du tust so vieles für mich und ich bin ein undankbares Miststück!“ Sie senkte betreten den Blick.
Er küsste sie auf die Stirn und zwang sie ihn anzusehen.
„Bist du nicht, Moby! Deine Launen sind nur ein wenig anstrengend! Ich bete einfach mal, daß das Kleine bald schlüpft!“ neckte er sie grinsend.
Er ahnte nicht, daß seine Gebete bereits sehr bald Gehör finden sollten.

„Jon! Wach auf!“
Unwirsch drehte er sich auf die Seite, zog die Decke über den Kopf. Jemand rüttelte an seiner Schulter, er brummte tief.
„Jon, es geht los!“
Schlagartig wurde er wach und fuhr hoch. Neben ihm saß Tammy im Bett, ihre Augen blickten ihn ängstlich an. Ungeduldig schüttelte er den Kopf um wacher zu werden.
„Okay, Moby! Wir müssen uns anziehen, deine Tasche mitnehmen und zum Krankenhaus fahren! Oder soll ich den Krankenwagen rufen?“ stammelte er.
Sie legte ihm die Hand auf die Schulter und grinste schief.
„Ich bin schon fertig, nur du musst noch in die Gänge kommen.“
Sein Herz schlug rasend schnell, er sprang aus dem Bett. Achtlos angelte er sich eine Jeans vom Sessel und zog ein Sweatshirt aus dem Schrank. Seine Hände zitterten und waren schweißnass. Ein Aufstöhnen ließ ihn zum Bett zurückblicken. Tammy saß auf der Bettkante und hielt sich den Bauch. Ihr Gesicht war schmerzvoll verzogen. Er hastete zu ihr und griff nach ihren Händen.
„Ich hol den Krankenwagen!“
Sie atmete ein paar Mal tief, dann schien sie sich zu entspannen.
„Blödsinn! Die Wehen kommen nur alle 4 Minuten und in 10 Minuten sind wir selbst zum Krankenhaus gefahren! Jetzt schaff mich ins Auto und fahr los, Jon!“
Er riß sich zusammen und wenige Minuten und eine weitere Wehe später saßen sie im Auto. Erst jetzt bemerkte er, daß es zwei Uhr morgens war.

Acht Stunden später saß er neben Tammys Bett und schloß einen Moment lang die Augen. Er war fix und alle, aber es war überstanden! Die letzten Stunden waren nicht nur für Tammy die Hölle gewesen! Er hatte mit ihr gebangt und hatte frustriert erleben müssen, daß er ihr nicht helfen konnte. Je stärker ihre Wehen geworden waren, desto mehr hatte er mit ihr gelitten. Aber sie hatte sich tapfer geschlagen! Nur in den letzten Minuten hatte sie vor Schmerz geschrieen und geweint. Sie hatte seine Finger fast zerquetscht, aber es war ihm nur gerecht erschienen, daß er ebenfalls Schmerzen litt. Und dann war da dieser zornige Schrei des Babys erklungen! Tammy war erschöpft zurück gesunken und er sollte die Nabelschnur durchschneiden. Wie in Trance hatte er es getan und verblüfft festgestellt, daß ihm die Tränen übers Gesicht liefen.
Er schreckte aus seinen Erinnerungen hoch, als ihm jemand über den Kopf strich. Er blickte auf und sah direkt in Tammys strahlende Augen. Sie sah schon wieder erstaunlich erholt aus nach all den Strapazen!
„Du siehst müde aus, Cowboy!“ bemerkte sie belustigt.
„Bin ich auch. Du siehst aber schon wieder ziemlich fit aus!“
Sie lächelte nachsichtig und streichelte über seine Wange.
„Muß ich ja auch, wenn sie uns das Baby gleich wieder bringen! Ich bin mir sicher, daß da jemand richtig Hunger hat!“
Er lachte leise und beugte sich über Tammy. Zärtlich küsste er sie und strich ihr eine feuchte Locke hinters Ohr.
„Du warst großartig, Kleines! Die Hebamme hat gesagt, daß nicht alle Frauen so tapfer sind wie du!“
Sie schob ihn sanft von sich und zwinkerte vergnügt.
„Quatsch! Ich wollte nur schnell wieder hier raus!“
Belustigt schüttelte er den Kopf, küsste sie erneut. Der Moment der Zweisamkeit wurde nur allzu schnell unterbrochen, als eine Krankenschwester zu ihnen trat. Jon machte Platz und die Schwester legte Tammy das kleine Bündel in die Arme. Er rutschte wieder näher und sah auf das Baby hinab. Es hatte die Augen geschlossen und schmatzte leise. Ihm wurde ganz flau vor lauter Freude.
Bewegt sah er zu wie Tammy das Kind vorsichtig streichelte. Tammy blickte zu ihm und ihre Augen strahlten vor Glück.
„Und hast du dir jetzt endlich einen Namen überlegt?“
Überrascht riss er die Augen auf.
„Soll ich etwa?“ stammelte er.
Sie nickte leicht.
„Ja, sollst du! Ich will, daß du den Namen für unser Baby aussuchst! Aber mach keinen Blödsinn, Jon!“ warnte sie ihn liebevoll.
Jon musste kräftig schlucken. Mit dieser Bitte hatte er nicht gerechnet! Er holte tief Luft und berührte vorsichtig das Näschen des kleinen Kindes.
„Grace. Ich finde unser kleines Schnuckelchen sollte Grace heißen!“
Prüfend sah er zu Tammy und bemerkte ihre feuchten Augen. Sie schlug die Augen nieder und blickte ihr Baby an. Zärtlich strich sie der Kleinen über die Stirn.
„Gracie, gefällt dir der Name, den dein Daddy ausgesucht hat?“ flüsterte Tammy.
Jon schossen die Tränen in die Augen als die Kleine hörbar gluckste. In seinem bisherigen Leben hatte er schon einige bewegende Momente erlebt, doch dies war der Schönste von allen! Gerührt küsste er erst Tammy, dann das Baby.

Drei Tage später durfte er seine beiden Mädels abholen. Er fuhr zu Tammys Haus, weil er wusste wie viel ihr das bedeutete. Zusammen gingen sie ins Kinderzimmer und legten Gracie in ihre Wiege. Die Kleine blinzelte ein wenig, dann schlief sie augenblicklich ein.
„Sie ist unglaublich süß und ist die perfekte Kopie von dir!“
Tammy schmiegte sich an ihn.
„Vor allem ist sie ein braves Baby und das kann sie schließlich auch nur von mir haben!“ bemerkte sie grinsend.
Jon lachte leise und schob Tammy aus dem Kinderzimmer.
„Seit wann gehört Bravsein zu deinen Tugenden? Ich muß da was verpasst haben!“ neckte er sie.
Sie gab ihm einen Klaps und umarmte ihn fest. Sie sah ihm tief in die Augen.
„Von jetzt an wirst du nichts mehr verpassen! Du darfst Windeln wechseln, sie in den Schlaf wiegen und sie füttern. Ich garantiere dir, dir wird nicht langweilig mit Gracie werden! Nie mehr!“
Jon küsste sie zärtlich.
„Das hoffe ich doch! Und wenn sie erstmal noch Geschwister bekommt, dann ist es endgültig mit der Ruhe vorbei!“
Tammy lachte.
„Es brechen herrliche Zeiten an, Cowboy!“ erwiderte sie sanft.
Jon nickte zustimmend. So überraschend sich sein Leben auch geändert hatte, er genoß es in vollen Zügen und konnte die Zukunft kaum noch erwarten. Eine Zukunft mit Tammy und Gracie und vielen weiteren Kindern.
„Ich liebe dich, Moby!“ flüsterte er ihr ins Ohr.
Sie lächelte glücklich, aber sie konnte nicht mehr antworten, weil Gracie lautstark zu weinen anfing. Sie blickten sich an und grinsten breit.
„Und schon geht’s los! Auf geht’s, Daddy!“

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo Jovifun!
Ich bin erst vor ein paar Tagen auf diese FF gestoßen.
Habe sie regelrecht verschlungen.
Einfach wunderschön.

Das gleiche gilt für deine anderen beiden FF's. Du hast echt nen super Schreibstil.

Jetzt hab ich nur eine Frage: gibt es noch eine Fortsetzung von Life is changing geben?
Oder war's das?

Falls ja, wie sind denn die Chancen, irgendwann was neues von Dir zu lesen?
Ich würde mich sehr darüber freuen.

LG
JoviChick

Jovifun hat gesagt…

Hi jovichick!
freut mich, daß dir die story gefallen hat! ne fortsetzung gibts dazu jedoch nicht.
aber du hast sicher gesehen, daß ich noch zwei weitere blog-links auf meiner seite habe.
ich werde wohl in den nächsten tagen mal wieder eine neue seite mit einer neuen story erstellen. guck doch einfach mal wieder vorbei und vielleicht finden ja dank deiner hilfe noch ein paar mehr leute hier her! ;)
ciao, ciao
Jovifun

Anonym hat gesagt…

schaaaade dass es keine Fortsetzung gibt.
Aber was nicht, kann ja noch werden - irgendwann vielleicht in ferner Zeit LOL

Melancholie & Wedding Day habe ich auch schon durchgelesen.
Tja, wenn's gut geschrieben ist, verschling ich solche Stories regelrecht.

Schön, dass du schon die nächste Story planst. Ich freu mich drauf.

Ich hab den Link zu deinem Blog schon an einige weitergeleitet.
Ich hoffe, dass wenigstesn ein paar von ihnen hier auch mal nen Kommentar abgeben.
Zur Not muß ich mal etwas nachhelfen ;-)

LG
JoviChick