Sonntag, 3. Juni 2007
Chapter 9
„Wohin fährst du? Ich dachte wir wollten zu dir fahren?“ Tammy sah ihn fragend von der Seite an.
„Wir gehen einkaufen! Das Kleine braucht dringend einen Schnuller, damit es nicht mehr länger am Daumen lutschen muß!“ scherzte er.
Die Idee zum Einkaufsbummel war ihm gekommen, als sie vom Parkplatz der Arztpraxis gefahren waren. Wurde doch langsam Zeit, daß sie mal ein paar Vorbereitungen trafen!
„Gut! Für dich brauchen wir dann aber Beruhigungspillen, sonst schaffst du die letzten 6 Wochen nicht mehr!“ neckte sie ihn lachend.
Er grinste nur viel sagend und zwanzig Minuten später fuhren sie vor dem Einkaufszentrum vor. Tammy wusste bereits wohin sie gehen wollte und er folgte ihr bereitwillig. Sie waren kaum in der Babyboutique angekommen, als er in einen regelrechten Rausch verfiel. All die kleinen Hemdchen und Strampler begeisterten ihn. Es gab ja so viele niedliche Klamotten für Babys! Tammy kicherte hauptsächlich vergnügt und bat irgendwann eine Verkäuferin ihnen zu helfen. Bald hatte Jon soviel zusammengetragen, daß die Verkäuferin es kaum noch tragen konnte. Tammy stoppte ihn schließlich.
„Jon, es reicht! Mit all dem Zeugs können wir Drillinge ausstatten! Wir müssen doch nicht alles auf einmal kaufen!“
„Warum nicht?“
Sie lachte herzlich, während sie die Sachen auf der Verkaufstheke sortierte und eine kritische Auswahl traf.
„Weil ich dich in nächster Zeit in noch mehr Geschäfte schleppen will!“
Dagegen hatte er nichts einzuwenden. Wogegen er jedoch etwas hatte, war als Tammy bezahlen wollte. Energisch nahm er ihr die Geldbörse aus der Hand und schob sie zurück in ihre Handtasche.
„Vergiss es, Moby! Nimm deine Handtasche, geh da vor zum Foodcorner und hol uns nen Becher Kaffee! Ich komme gleich nach! Und fang jetzt nicht an mit mir zu diskutieren!“ bat er sie eindringlich.
Sie erkannte, daß sie keine Chance hatte und verdrückte sich leise grummelnd. Zufrieden drehte er sich zu der Verkäuferin um.
„Und jetzt zeigen Sie mir bitte noch die Plüschtiere!“
Wenig später verließ er voll bepackt den Laden und machte sich auf die Suche nach Tammy. Er fand sie schnell und gesellte sich zu ihr. Auf dem Tisch standen zwei Becher Kaffee. Tammy blickte ihn nachdenklich an.
„Bist du immer so?“
„Wie denn?“ fragte er gespielt ahnungslos zurück.
„So bestimmend! Du hättest das nicht alles zahlen müssen!“
Er zuckte mit den Schultern.
„Weiß ich, aber ich wollte es eben! Besser du gewöhnst dich dran!“
Skeptisch hob sie die Augenbrauen.
„Warum sollte ich? Ich bin auch nicht gerade arm!“
Er griff über den Tisch und fasste nach ihrer Hand.
„Tammy, ich hab mehr Kohle als ich in einem Leben ausgeben kann! Wir sind jetzt eine Familie und ich möchte für dich und das Baby sorgen. Bitte lass mir die Freude und heb dein Geld für dich auf!“ erklärte er ruhig.
Sie senkte den Kopf, schien nachzudenken.
„Gib mir ein bisschen Zeit mich dran zu gewöhnen! Irgendwie vergesse ich immer wer du eigentlich bist und das du in Geld schwimmen musst! Ist nicht so ganz leicht für ein einfaches Mädchen aus Jersey!“ Sie blickte auf und grinste schief.
Er beugte sich über den Tisch und küsste sie.
„Das wüsste ich aber, wenn du nur ein einfaches Mädchen wärst! Für mich bist du etwas ganz Besonderes!“ flüsterte er amüsiert.
Das strahlende Lächeln kehrte in ihr Gesicht zurück.
„Himmel, bin ich müde!“ Tammy gähnte herzhaft als sie ins Bett schlüpfte.
Jon grinste und schlug seine Bettdecke zurück.
„Tja, Einkaufen und im Whirlpool abhängen ist schon ganz schön anstrengend!“ neckte er sie.
Sie drehte sich auf die Seite und sah ihn schläfrig an.
„Zieh mich nur auf! Das nächste Baby darfst du dann bekommen, damit du mal merkst wie anstrengend das ist!“ motzte sie mit zwinkernden Augen.
„Bald hast du es geschafft, Moby! Wann müssen wir denn morgen zu deinen Eltern?“
„Um sieben. Meine Mum kocht uns etwas Leckeres. Ich glaube, sie will dich beeindrucken!“
„Und ich dachte, ich muß deine Eltern beeindrucken und nicht umgekehrt! Ich freue mich schon auf deine Familie. Wird dein Bruder Ryan auch da sein?“
„Weiß ich nicht, aber ich kann mir nicht vorstellen, daß er sich entgehen lässt dich kennenzulernen! Wann lernt man schon mal nen Promi kennen?“ Sie zwinkerte ihm zu und gähnte gleich darauf herzhaft.
„Kannst du noch zwei Minuten die Augen offen halten? Ich hab noch was für dich!“
Sofort riß Tammy die Augen neugierig auf.
„Mach hin, ich liebe Geschenke!“ forderte sie und setzte sich im Bett auf.
Jon rollte sich zur Seite und griff unter das Bett. Die Hand unter der Decke verborgen drehte er sich ihr wieder zu.
„Augen zu, bitte!“
Gehorsam schloß sie die Augen und blinzelte auch nicht verstohlen. Er platzierte seine Geschenke auf ihrem Schoß.
„Jetzt darfst du gucken!“
Tammy öffnete die Augen und schrie leise auf. Sie fasste nach dem Größeren, der beiden Plüscheisbären und streichelte begeistert über den Stoff.
„Jon, die sind ja niedlich! Und so wahnsinnig weich! Wie bist du denn auf die Idee gekommen? Soll der Kleine das Eisbärbaby sein?“ sprudelte es nur so aus ihr hervor.
Jon lachte und nahm den kleineren Eisbären in die Hand.
„Ich hab die heute im Babygeschäft entdeckt und wusste gleich, daß ich die haben muß! Der große Bär ist für dich, der Kleinere für das Baby.“
„Wieso Eisbären?“ bohrte Tammy neugierig nach.
„Naja, ich habe dich mitten in einem Schneesturm gefunden und irgendwie finde ich Eisbären passend. Und weil du ja nicht alleine da draußen warst, musste das Kleine auch einen bekommen!“ erklärte er mit weicher Stimme.
Tammy legte den Bären weg und schlang ihm die Arme um den Nacken.
„Netter Gedanke! Ich danke dir, Jon!“ Sie küsste ihn zärtlich.
Jon drückte sie fest an sich, flüsterte ihr ins Ohr.
„Ich liebe dich, Moby!“
Das Treffen mit Tammys Eltern verlief völlig problemlos. Er wurde herzlich empfangen und fühlte sich bald pudelwohl. Tammys Eltern waren warmherzige Menschen, die gerne lachten. Das sie ihre Tochter über alles liebten war ihm schon nach wenigen Minuten klar geworden. Ryan, Tammys Bruder, war 24 und ein echt netter Kerl. Wie seine Schwester vor ihm löcherte er ihn mit Fragen über das Showbusiness. Jon bot an, ihm sein Studio zu zeigen und Ryan nahm begeistert an. Es wurde ein entspannter und lockerer Abend und Jon war sicher, daß sie ihn bald wiederholen würden. Als Tammy bereits im Auto saß, kam ihre Mutter noch einmal zu ihm.
„Versprichst du mir, daß du gut auf sie aufpasst, Jon?“ bat sie ihn ruhig.
„Natürlich werde ich das machen! Mach dir keinen Kopf, Sarah!“ versprach er aufrichtig und drückte ihre Hand leicht.
Sie nickte zufrieden.
„Lass dich von ihr nicht schikanieren! Sie kann manchmal verdammt stur sein!“ warnte sie ihn grinsend.
Jon musste herzlich lachen und ging zur Fahrertür.
„Dann passt es ja! Meine Mum sagt immer ich bin der größte Sturkopf unter der Sonne! Gute Nacht, Sarah!“ Er winkte kurz, dann stieg er ein und fuhr zügig los.
„Tammy, wir müssen reden!“
Überrascht blickte sie von der Zeitung auf. Sie saßen im Wohnzimmer auf dem Sofa, Jon hatte bis eben ein paar Unterlagen durchgesehen.
„Worüber? Stimmt was nicht?“
Er schüttelte den Kopf und griff nach seiner Kaffeetasse.
„Nein, alles in Ordnung. Es gibt nur ein paar Dinge über die wir bisher noch nicht gesprochen haben.“
Sie legte die Zeitung weg und wandte sich ihm zu.
„Dann schieß los, Cowboy!“
Er trank noch einen Schluck und räusperte sich.
„Wo wollen wir eigentlich in Zukunft wohnen? Wirst du hier bei mir einziehen?“
„Warum sollte ich? Zuhause habe ich bereits das Gästezimmer in ein Kinderzimmer eingerichtet.“
„Na und? Das hast du gemacht, als die Sache mit uns noch anders stand. Ich finde wir sollten zusammen wohnen, wenn das Baby da ist.“
Sie schüttelte unwirsch den Kopf.
„Findest du nicht, daß das alles ein wenig schnell geht? Es kann doch erstmal so weitergehen wie bisher. Wir sind mal bei dir und mal bei mir.“
Jon stöhnte auf.
„Das ist doch keine Lösung, Tammy! Ohne Baby hätte ich damit kein Problem. Aber wir können das Kleine doch nicht ständig hin und her zerren! Es braucht eine gewohnte Umgebung und nicht ständig Neues!“
Sie blickte ihn trotzig an.
„Hier wird es doch nicht fremd sein! Das Baby hat dann eben zwei Zuhause!“
„Das ist doch Unfug! Hier haben wir viel mehr Platz und können ein richtig schönes, großes Kinderzimmer einrichten. Du kennst doch den Raum gleich neben dem Schlafzimmer. Tammy, daß ist doch viel vernünftiger!“ beharrte er.
„Du kannst den Raum doch trotzdem einrichten! Warum willst du alles überstürzen?“
„Ich überstürze nichts, ich denke nur weiter als du!“ antwortete er gereizt.
„Du willst nur deinen Willen durchsetzen!“ bockte Tammy.
Jon musste seinen Ärger mühsam unterdrücken. Er schwieg nachdenklich, dann blickte er sie ernst an.
„Du glaubst nicht an uns, nicht wahr? Du willst nicht umziehen, weil du Angst hast es klappt nicht mit uns. Ist es das?“
Sie schnappte nach Luft, ihre Augen füllten sich mit Tränen.
„Nein! Wie kannst du das nur denken? So ist es nicht, wirklich nicht!“ rief sie bestürzt.
„Gut, dann sag mir worum es dir wirklich geht!“ bat er sie.
Sie seufzte und wischte sich die Tränen von den Wangen.
„Ich...ich...also ich liebe mein kleines Häuschen! Ich habe es von meinen Großeltern geerbt und viel Arbeit hineingesteckt. Seit ich schwanger bin habe ich mir die ganze Zeit vorgestellt wie es sein würde mit meinem Baby da zu leben. Es sollte unser kleines Nest sein. Das du plötzlich auftauchst stand ja irgendwie nicht im Drehbuch!“
Sie schniefte leise und blickte ihn mit feuchten Augen an. All sein Ärger löste sich in Luft auf. Behutsam legte er ihr den Arm um die Schultern und zog sie an sich.
„Okay, ich kann dich verstehen!“
„Wirklich? Jon, ich will mich nicht mit dir streiten!“ murmelte sie an seiner Brust.
Er küsste sie aufs Haar, streichelte ihren Nacken.
„Ist schon wieder gut! Tut mir leid, wenn ich zu heftig war! Wir werden also zunächst mal hier und mal bei dir wohnen und zusehen, daß wir es dem Baby so schön wie möglich machen! Du musst mir aber dabei helfen das Kinderzimmer herzurichten!“ beruhigte er sie.
„Danke! Es bedeutet mir wirklich viel! Es heißt ja auch nicht, daß es für immer so bleiben soll!“
Er nickte zustimmend und küsste sie zärtlich. Wieder im Reinen saßen sie eine ganze Weile still beieinander und hielten sich fest. Tammy war es, die das Schweigen brach.
„Jon, ich würde dich gerne bei der Geburt dabei haben! Kommst du mit?“
Er war überrascht und auch ein wenig verwirrt. Er hatte fest angenommen, daß Tammy ihre Mutter dabei haben wollte. Niemals hatte er daran gedacht selbst dabei zu sein. Ihm war ein bisschen flau im Magen.
„Willst du nicht deine Mum bei dir haben?“
„So wars mal geplant, als es dich noch nicht gab. Jetzt hätte ich lieber dich an meiner Seite. Ich fände es schön, wenn wir beide zusammen das Würmchen auf die Welt holen.“ Erwiderte sie mit weicher Stimme.
Jon war gerührt und ihm fehlten die Worte. Ihr sanfter Blick verriet ihm, daß diese Bitte eine Art Liebesbeweis war. Seine Stimme klang rau als er antwortete.
„Wenn du es so willst, dann komme ich gerne mit!“
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