Sonntag, 3. Juni 2007

Chapter 10


Die nächsten vier Wochen verliefen hektisch. In Jons Haus zogen die Handwerker ein und tapezierten das neue Kinderzimmer. Tapeten und Möbel hatten sie gemeinsam ausgesucht und so nach und nach wurde das Zimmer perfekt. In Jons riesigem Bad stand nun auch ein Wickeltisch, der noch etwas fehl am Platze wirkte. Er war sich jedoch sicher, daß sich das bald ändern würde, wenn das Baby erstmal da war. In aller Eile absolvierten sie noch gemeinsam einen Kurs zur Geburtsvorbereitung. Jon kam sich zwar ziemlich dämlich vor, zwischen all den werdenden Eltern auf dem Boden zu sitzen und zu hecheln, aber er brachte es Tammy zuliebe hinter sich. Je näher es auf den Geburtstermin zu ging, desto nervöser wurde Tammy. Schon kleinste Unstimmigkeiten brachten sie aus der Fassung und ließen sie in Tränen ausbrechen. Nicht immer verstand Jon worum es ging, aber mit etwas Geduld konnte er ihre Heulattacken ertragen. Besonders schlimm war es an dem Abend, als sich beide Familien zum Abendessen trafen, um sich kennen zulernen. Tammy gefiel sich in ihrem Umstandskleid nicht und auch an ihren Haaren hatte sie etwas auszusetzen. Sie jammerte und klagte und ging ihm bald gehörig auf die Nerven. Entnervt fasste er sie an den Schultern und sah sie fest an.
„Moby, du siehst toll aus! Hör auf zu jammern, dafür gibt’s keinen Grund! Das Kleid steht dir und deine Lockenmähne sieht umwerfend aus! Jetzt schenke mir endlich mal wieder ein Lächeln, Baby!“ Er zwinkerte ihr amüsiert zu.
Mehr als ein schiefes Grinsen bekam er jedoch nicht zu sehen. Schweigend ging sie zurück ins Bad und zupfte weiterhin an ihren Haaren herum. Wenig später folgte er ihr um seine nassen Haare trocken zu fönen. Er war fast fertig, als sie plötzlich neben ihm stand und ihn kritisch musterte.
„Wenn unser Baby die Augen aufmacht, dann wird es keine Ahnung haben wer von uns beiden die Mummy ist!“
Verwirrt blickte er sie an und schaltete den Fön ab.
„Ich dachte du magst meine langen Haare!“
„Stimmt ja auch! Ich denke nur an das Kleine! Es wird ein bisschen verwirrt sein!“
Mit diesen Worten verließ sie das Bad und ließ ihn ratlos zurück.
Das Essen mit den Familien verlief prächtig. Man war sich sofort sympathisch und es wurde ein sehr entspannter Abend. Auch Tammy kam zusehends zur Ruhe und konnte wieder lachen. Jon atmete erleichtert auf.

Zwei Wochen vor der Geburt bestand Jon darauf, daß Tammy nun jede Nacht bei ihm verbrachte. Er wollte sie nicht mehr alleine lassen, um an ihrer Seite zu sein wenn es denn los ging. Zunächst sträubte sie sich, aber sie gab letztendlich nach. Die Aussicht jeden Tag ein Bad im Whirlpool nehmen zu können, war denn doch zu verlockend. Jon ließ Tammy immer nur kurz alleine, wenn er aus dem Haus musste um etwas zu erledigen. Er war unruhig und in ständiger Sorge um sie. Eines Tages bat er seine Mutter Tammy Gesellschaft zu leisten, da er den ganzen Nachmittag unterwegs sein würde.
„Mum, sei so lieb und komm zu uns rüber! Ich hab was zu erledigen und ich möchte, daß du ein wenig auf sie aufpasst. Aber um Himmelswillen verrate ihr nicht, daß ich dich drum gebeten habe! Sie reißt mir sonst den Kopf ab!“ bat er sie am Telefon.
Er hörte seine Mum leise lachen.
„Kein Problem, Junge! Ich hab sowieso noch was, daß ich ihr bringen wollte! Was treibst du denn unterwegs?“
„Danke! Kann ich dir nicht verraten, aber du wirst es bald sehen, Mum! Bis später!“
Eine Stunde später stand seine Mum auf der Matte und er ließ die beiden Frauen alleine. Er hatte viel vor!

„Oh Heaven! Jon, bist du unter nen Rasenmäher gekommen?“ schrie Tammy entsetzt auf.
Er schluckte hart, fuhr sich unsicher durch die Haare. Sah er so schlimm aus?
„Gefällts dir nicht?“
Sie trat näher, betrachtete ihn ausführlich. Sie zupfte eine Strähne zurecht und lächelte zufrieden.
„Doch, es steht dir hervorragend! Ist nur ein bisschen ungewohnt dich mit kurzen Haaren zu sehen! Wie bist du denn auf diese Idee gekommen?“
„Naja, du hast doch neulich gesagt, daß unser Baby keinen Plan haben wird, wer von uns beiden die Mummy ist! Und ich fand, wir müssen es dem Kleinen ja nicht unnötig schwer machen!“ erwiderte er grinsend.
Sie lachte herzlich und umarmte ihn.
„Mir gefällts jedenfalls! Du siehst sexy aus, Cowboy!“ murmelte sie an seinen Lippen und küsste ihn ausgiebig.
Er atmete erleichtert auf. So ganz sicher, ob er wirklich das Richtige getan hatte, war er sich nicht gewesen. Ihre Reaktion beruhigte ihn und an die kalten Ohren würde er sich bestimmt auch noch gewöhnen.
„Ich hab aber noch eine Überraschung für dich! Komm mal mit!“ Er nahm sie an die Hand und führte sie um die Ecke zu den Garagen. Abwartend blieb er stehen und zeigte auf den neuen Wagen. Ratlos blickte Tammy ihn an.
„Und?“
Er seufzte tief.
„Mehr hast du nicht dazu zu sagen, daß ich ne Familienkutsche gekauft habe? Meinst du etwa, ich würde mir ohne Not einen Kombi kaufen?“ erklärte er.
Sie sah noch mal zu dem Wagen hin und drehte sich wortlos weg um zu gehen.
„Hat dich niemand dazu gezwungen! Du bist derjenige, der Daddy spielen will!“ blaffte sie und verschwand um die Ecke.
Ihre Worte trafen einen empfindlichen Nerv in seinem Inneren.
„Dann sieh doch zu wie du deinen Kinderwagen in die Corvette kriegst!“ schrie er ihr beleidigt nach.
Als er das Haus betrat, kam ihm seine Mutter mit besorgtem Blick entgegen.
„Habt ihr euch gestritten? Tammy ist wie eine Furie nach oben verschwunden.“
Er zuckte mit den Schultern.
„Lass sie, sie hat ihre 5 Minuten!“ knurrte er genervt.
Aufmunternd drückte seine Mutter seinen Arm.
„Das wird schon wieder und hört bald auf! Deine neue Frisur gefällt mir übrigens! Wurde ja mal langsam Zeit, daß du dich von deiner Matte verabschiedest!“
Er warf ihr lediglich einen harten Blick zu und verschwand in der Küche. Danke, die dummen Sprüche seiner Mum hatte er sich lange genug anhören müssen!

„Es tut mir leid!“
Jon drehte sich langsam um, sah Tammy in der Küchentür stehen. Sie sah zerknirscht aus und ihre Augen waren gerötet.
„Schon gut, Tammy!“ erwiderte er leise und drehte sich zum Backofen um. Er öffnete die Backofentür und stellte die Lasagne hinein, die seine Mum ihnen mitgebracht hatte. Als er sich aufrichtete, stand Tammy hinter ihm und schlang die Arme um seinen Bauch. Er fühlte ihre Lippen im Nacken und bekam Gänsehaut.
„Ich finds rührend, daß du einen Familienkombi gekauft hast, obwohl du deine Sportflitzer liebst! Danke dir, Cowboy!“
Er streichelte über ihre kleinen Hände und sein Ärger verflog gänzlich. So war es immer! Er konnte ihr einfach nicht lange böse sein!
„Naja, ich hab natürlich den Kombi mit Sportausstattung genommen!“ bemerkte er trocken.
Sie brach in herzliches Gelächter aus und er drehte sich in ihren Armen um.
„Hätte ich mir doch denken können! Trotzdem vielen Dank! Du tust so vieles für mich und ich bin ein undankbares Miststück!“ Sie senkte betreten den Blick.
Er küsste sie auf die Stirn und zwang sie ihn anzusehen.
„Bist du nicht, Moby! Deine Launen sind nur ein wenig anstrengend! Ich bete einfach mal, daß das Kleine bald schlüpft!“ neckte er sie grinsend.
Er ahnte nicht, daß seine Gebete bereits sehr bald Gehör finden sollten.

„Jon! Wach auf!“
Unwirsch drehte er sich auf die Seite, zog die Decke über den Kopf. Jemand rüttelte an seiner Schulter, er brummte tief.
„Jon, es geht los!“
Schlagartig wurde er wach und fuhr hoch. Neben ihm saß Tammy im Bett, ihre Augen blickten ihn ängstlich an. Ungeduldig schüttelte er den Kopf um wacher zu werden.
„Okay, Moby! Wir müssen uns anziehen, deine Tasche mitnehmen und zum Krankenhaus fahren! Oder soll ich den Krankenwagen rufen?“ stammelte er.
Sie legte ihm die Hand auf die Schulter und grinste schief.
„Ich bin schon fertig, nur du musst noch in die Gänge kommen.“
Sein Herz schlug rasend schnell, er sprang aus dem Bett. Achtlos angelte er sich eine Jeans vom Sessel und zog ein Sweatshirt aus dem Schrank. Seine Hände zitterten und waren schweißnass. Ein Aufstöhnen ließ ihn zum Bett zurückblicken. Tammy saß auf der Bettkante und hielt sich den Bauch. Ihr Gesicht war schmerzvoll verzogen. Er hastete zu ihr und griff nach ihren Händen.
„Ich hol den Krankenwagen!“
Sie atmete ein paar Mal tief, dann schien sie sich zu entspannen.
„Blödsinn! Die Wehen kommen nur alle 4 Minuten und in 10 Minuten sind wir selbst zum Krankenhaus gefahren! Jetzt schaff mich ins Auto und fahr los, Jon!“
Er riß sich zusammen und wenige Minuten und eine weitere Wehe später saßen sie im Auto. Erst jetzt bemerkte er, daß es zwei Uhr morgens war.

Acht Stunden später saß er neben Tammys Bett und schloß einen Moment lang die Augen. Er war fix und alle, aber es war überstanden! Die letzten Stunden waren nicht nur für Tammy die Hölle gewesen! Er hatte mit ihr gebangt und hatte frustriert erleben müssen, daß er ihr nicht helfen konnte. Je stärker ihre Wehen geworden waren, desto mehr hatte er mit ihr gelitten. Aber sie hatte sich tapfer geschlagen! Nur in den letzten Minuten hatte sie vor Schmerz geschrieen und geweint. Sie hatte seine Finger fast zerquetscht, aber es war ihm nur gerecht erschienen, daß er ebenfalls Schmerzen litt. Und dann war da dieser zornige Schrei des Babys erklungen! Tammy war erschöpft zurück gesunken und er sollte die Nabelschnur durchschneiden. Wie in Trance hatte er es getan und verblüfft festgestellt, daß ihm die Tränen übers Gesicht liefen.
Er schreckte aus seinen Erinnerungen hoch, als ihm jemand über den Kopf strich. Er blickte auf und sah direkt in Tammys strahlende Augen. Sie sah schon wieder erstaunlich erholt aus nach all den Strapazen!
„Du siehst müde aus, Cowboy!“ bemerkte sie belustigt.
„Bin ich auch. Du siehst aber schon wieder ziemlich fit aus!“
Sie lächelte nachsichtig und streichelte über seine Wange.
„Muß ich ja auch, wenn sie uns das Baby gleich wieder bringen! Ich bin mir sicher, daß da jemand richtig Hunger hat!“
Er lachte leise und beugte sich über Tammy. Zärtlich küsste er sie und strich ihr eine feuchte Locke hinters Ohr.
„Du warst großartig, Kleines! Die Hebamme hat gesagt, daß nicht alle Frauen so tapfer sind wie du!“
Sie schob ihn sanft von sich und zwinkerte vergnügt.
„Quatsch! Ich wollte nur schnell wieder hier raus!“
Belustigt schüttelte er den Kopf, küsste sie erneut. Der Moment der Zweisamkeit wurde nur allzu schnell unterbrochen, als eine Krankenschwester zu ihnen trat. Jon machte Platz und die Schwester legte Tammy das kleine Bündel in die Arme. Er rutschte wieder näher und sah auf das Baby hinab. Es hatte die Augen geschlossen und schmatzte leise. Ihm wurde ganz flau vor lauter Freude.
Bewegt sah er zu wie Tammy das Kind vorsichtig streichelte. Tammy blickte zu ihm und ihre Augen strahlten vor Glück.
„Und hast du dir jetzt endlich einen Namen überlegt?“
Überrascht riss er die Augen auf.
„Soll ich etwa?“ stammelte er.
Sie nickte leicht.
„Ja, sollst du! Ich will, daß du den Namen für unser Baby aussuchst! Aber mach keinen Blödsinn, Jon!“ warnte sie ihn liebevoll.
Jon musste kräftig schlucken. Mit dieser Bitte hatte er nicht gerechnet! Er holte tief Luft und berührte vorsichtig das Näschen des kleinen Kindes.
„Grace. Ich finde unser kleines Schnuckelchen sollte Grace heißen!“
Prüfend sah er zu Tammy und bemerkte ihre feuchten Augen. Sie schlug die Augen nieder und blickte ihr Baby an. Zärtlich strich sie der Kleinen über die Stirn.
„Gracie, gefällt dir der Name, den dein Daddy ausgesucht hat?“ flüsterte Tammy.
Jon schossen die Tränen in die Augen als die Kleine hörbar gluckste. In seinem bisherigen Leben hatte er schon einige bewegende Momente erlebt, doch dies war der Schönste von allen! Gerührt küsste er erst Tammy, dann das Baby.

Drei Tage später durfte er seine beiden Mädels abholen. Er fuhr zu Tammys Haus, weil er wusste wie viel ihr das bedeutete. Zusammen gingen sie ins Kinderzimmer und legten Gracie in ihre Wiege. Die Kleine blinzelte ein wenig, dann schlief sie augenblicklich ein.
„Sie ist unglaublich süß und ist die perfekte Kopie von dir!“
Tammy schmiegte sich an ihn.
„Vor allem ist sie ein braves Baby und das kann sie schließlich auch nur von mir haben!“ bemerkte sie grinsend.
Jon lachte leise und schob Tammy aus dem Kinderzimmer.
„Seit wann gehört Bravsein zu deinen Tugenden? Ich muß da was verpasst haben!“ neckte er sie.
Sie gab ihm einen Klaps und umarmte ihn fest. Sie sah ihm tief in die Augen.
„Von jetzt an wirst du nichts mehr verpassen! Du darfst Windeln wechseln, sie in den Schlaf wiegen und sie füttern. Ich garantiere dir, dir wird nicht langweilig mit Gracie werden! Nie mehr!“
Jon küsste sie zärtlich.
„Das hoffe ich doch! Und wenn sie erstmal noch Geschwister bekommt, dann ist es endgültig mit der Ruhe vorbei!“
Tammy lachte.
„Es brechen herrliche Zeiten an, Cowboy!“ erwiderte sie sanft.
Jon nickte zustimmend. So überraschend sich sein Leben auch geändert hatte, er genoß es in vollen Zügen und konnte die Zukunft kaum noch erwarten. Eine Zukunft mit Tammy und Gracie und vielen weiteren Kindern.
„Ich liebe dich, Moby!“ flüsterte er ihr ins Ohr.
Sie lächelte glücklich, aber sie konnte nicht mehr antworten, weil Gracie lautstark zu weinen anfing. Sie blickten sich an und grinsten breit.
„Und schon geht’s los! Auf geht’s, Daddy!“

Chapter 9


„Wohin fährst du? Ich dachte wir wollten zu dir fahren?“ Tammy sah ihn fragend von der Seite an.
„Wir gehen einkaufen! Das Kleine braucht dringend einen Schnuller, damit es nicht mehr länger am Daumen lutschen muß!“ scherzte er.
Die Idee zum Einkaufsbummel war ihm gekommen, als sie vom Parkplatz der Arztpraxis gefahren waren. Wurde doch langsam Zeit, daß sie mal ein paar Vorbereitungen trafen!
„Gut! Für dich brauchen wir dann aber Beruhigungspillen, sonst schaffst du die letzten 6 Wochen nicht mehr!“ neckte sie ihn lachend.
Er grinste nur viel sagend und zwanzig Minuten später fuhren sie vor dem Einkaufszentrum vor. Tammy wusste bereits wohin sie gehen wollte und er folgte ihr bereitwillig. Sie waren kaum in der Babyboutique angekommen, als er in einen regelrechten Rausch verfiel. All die kleinen Hemdchen und Strampler begeisterten ihn. Es gab ja so viele niedliche Klamotten für Babys! Tammy kicherte hauptsächlich vergnügt und bat irgendwann eine Verkäuferin ihnen zu helfen. Bald hatte Jon soviel zusammengetragen, daß die Verkäuferin es kaum noch tragen konnte. Tammy stoppte ihn schließlich.
„Jon, es reicht! Mit all dem Zeugs können wir Drillinge ausstatten! Wir müssen doch nicht alles auf einmal kaufen!“
„Warum nicht?“
Sie lachte herzlich, während sie die Sachen auf der Verkaufstheke sortierte und eine kritische Auswahl traf.
„Weil ich dich in nächster Zeit in noch mehr Geschäfte schleppen will!“
Dagegen hatte er nichts einzuwenden. Wogegen er jedoch etwas hatte, war als Tammy bezahlen wollte. Energisch nahm er ihr die Geldbörse aus der Hand und schob sie zurück in ihre Handtasche.
„Vergiss es, Moby! Nimm deine Handtasche, geh da vor zum Foodcorner und hol uns nen Becher Kaffee! Ich komme gleich nach! Und fang jetzt nicht an mit mir zu diskutieren!“ bat er sie eindringlich.
Sie erkannte, daß sie keine Chance hatte und verdrückte sich leise grummelnd. Zufrieden drehte er sich zu der Verkäuferin um.
„Und jetzt zeigen Sie mir bitte noch die Plüschtiere!“

Wenig später verließ er voll bepackt den Laden und machte sich auf die Suche nach Tammy. Er fand sie schnell und gesellte sich zu ihr. Auf dem Tisch standen zwei Becher Kaffee. Tammy blickte ihn nachdenklich an.
„Bist du immer so?“
„Wie denn?“ fragte er gespielt ahnungslos zurück.
„So bestimmend! Du hättest das nicht alles zahlen müssen!“
Er zuckte mit den Schultern.
„Weiß ich, aber ich wollte es eben! Besser du gewöhnst dich dran!“
Skeptisch hob sie die Augenbrauen.
„Warum sollte ich? Ich bin auch nicht gerade arm!“
Er griff über den Tisch und fasste nach ihrer Hand.
„Tammy, ich hab mehr Kohle als ich in einem Leben ausgeben kann! Wir sind jetzt eine Familie und ich möchte für dich und das Baby sorgen. Bitte lass mir die Freude und heb dein Geld für dich auf!“ erklärte er ruhig.
Sie senkte den Kopf, schien nachzudenken.
„Gib mir ein bisschen Zeit mich dran zu gewöhnen! Irgendwie vergesse ich immer wer du eigentlich bist und das du in Geld schwimmen musst! Ist nicht so ganz leicht für ein einfaches Mädchen aus Jersey!“ Sie blickte auf und grinste schief.
Er beugte sich über den Tisch und küsste sie.
„Das wüsste ich aber, wenn du nur ein einfaches Mädchen wärst! Für mich bist du etwas ganz Besonderes!“ flüsterte er amüsiert.
Das strahlende Lächeln kehrte in ihr Gesicht zurück.

„Himmel, bin ich müde!“ Tammy gähnte herzhaft als sie ins Bett schlüpfte.
Jon grinste und schlug seine Bettdecke zurück.
„Tja, Einkaufen und im Whirlpool abhängen ist schon ganz schön anstrengend!“ neckte er sie.
Sie drehte sich auf die Seite und sah ihn schläfrig an.
„Zieh mich nur auf! Das nächste Baby darfst du dann bekommen, damit du mal merkst wie anstrengend das ist!“ motzte sie mit zwinkernden Augen.
„Bald hast du es geschafft, Moby! Wann müssen wir denn morgen zu deinen Eltern?“
„Um sieben. Meine Mum kocht uns etwas Leckeres. Ich glaube, sie will dich beeindrucken!“
„Und ich dachte, ich muß deine Eltern beeindrucken und nicht umgekehrt! Ich freue mich schon auf deine Familie. Wird dein Bruder Ryan auch da sein?“
„Weiß ich nicht, aber ich kann mir nicht vorstellen, daß er sich entgehen lässt dich kennenzulernen! Wann lernt man schon mal nen Promi kennen?“ Sie zwinkerte ihm zu und gähnte gleich darauf herzhaft.
„Kannst du noch zwei Minuten die Augen offen halten? Ich hab noch was für dich!“
Sofort riß Tammy die Augen neugierig auf.
„Mach hin, ich liebe Geschenke!“ forderte sie und setzte sich im Bett auf.
Jon rollte sich zur Seite und griff unter das Bett. Die Hand unter der Decke verborgen drehte er sich ihr wieder zu.
„Augen zu, bitte!“
Gehorsam schloß sie die Augen und blinzelte auch nicht verstohlen. Er platzierte seine Geschenke auf ihrem Schoß.
„Jetzt darfst du gucken!“
Tammy öffnete die Augen und schrie leise auf. Sie fasste nach dem Größeren, der beiden Plüscheisbären und streichelte begeistert über den Stoff.
„Jon, die sind ja niedlich! Und so wahnsinnig weich! Wie bist du denn auf die Idee gekommen? Soll der Kleine das Eisbärbaby sein?“ sprudelte es nur so aus ihr hervor.
Jon lachte und nahm den kleineren Eisbären in die Hand.
„Ich hab die heute im Babygeschäft entdeckt und wusste gleich, daß ich die haben muß! Der große Bär ist für dich, der Kleinere für das Baby.“
„Wieso Eisbären?“ bohrte Tammy neugierig nach.
„Naja, ich habe dich mitten in einem Schneesturm gefunden und irgendwie finde ich Eisbären passend. Und weil du ja nicht alleine da draußen warst, musste das Kleine auch einen bekommen!“ erklärte er mit weicher Stimme.
Tammy legte den Bären weg und schlang ihm die Arme um den Nacken.
„Netter Gedanke! Ich danke dir, Jon!“ Sie küsste ihn zärtlich.
Jon drückte sie fest an sich, flüsterte ihr ins Ohr.
„Ich liebe dich, Moby!“

Das Treffen mit Tammys Eltern verlief völlig problemlos. Er wurde herzlich empfangen und fühlte sich bald pudelwohl. Tammys Eltern waren warmherzige Menschen, die gerne lachten. Das sie ihre Tochter über alles liebten war ihm schon nach wenigen Minuten klar geworden. Ryan, Tammys Bruder, war 24 und ein echt netter Kerl. Wie seine Schwester vor ihm löcherte er ihn mit Fragen über das Showbusiness. Jon bot an, ihm sein Studio zu zeigen und Ryan nahm begeistert an. Es wurde ein entspannter und lockerer Abend und Jon war sicher, daß sie ihn bald wiederholen würden. Als Tammy bereits im Auto saß, kam ihre Mutter noch einmal zu ihm.
„Versprichst du mir, daß du gut auf sie aufpasst, Jon?“ bat sie ihn ruhig.
„Natürlich werde ich das machen! Mach dir keinen Kopf, Sarah!“ versprach er aufrichtig und drückte ihre Hand leicht.
Sie nickte zufrieden.
„Lass dich von ihr nicht schikanieren! Sie kann manchmal verdammt stur sein!“ warnte sie ihn grinsend.
Jon musste herzlich lachen und ging zur Fahrertür.
„Dann passt es ja! Meine Mum sagt immer ich bin der größte Sturkopf unter der Sonne! Gute Nacht, Sarah!“ Er winkte kurz, dann stieg er ein und fuhr zügig los.

„Tammy, wir müssen reden!“
Überrascht blickte sie von der Zeitung auf. Sie saßen im Wohnzimmer auf dem Sofa, Jon hatte bis eben ein paar Unterlagen durchgesehen.
„Worüber? Stimmt was nicht?“
Er schüttelte den Kopf und griff nach seiner Kaffeetasse.
„Nein, alles in Ordnung. Es gibt nur ein paar Dinge über die wir bisher noch nicht gesprochen haben.“
Sie legte die Zeitung weg und wandte sich ihm zu.
„Dann schieß los, Cowboy!“
Er trank noch einen Schluck und räusperte sich.
„Wo wollen wir eigentlich in Zukunft wohnen? Wirst du hier bei mir einziehen?“
„Warum sollte ich? Zuhause habe ich bereits das Gästezimmer in ein Kinderzimmer eingerichtet.“
„Na und? Das hast du gemacht, als die Sache mit uns noch anders stand. Ich finde wir sollten zusammen wohnen, wenn das Baby da ist.“
Sie schüttelte unwirsch den Kopf.
„Findest du nicht, daß das alles ein wenig schnell geht? Es kann doch erstmal so weitergehen wie bisher. Wir sind mal bei dir und mal bei mir.“
Jon stöhnte auf.
„Das ist doch keine Lösung, Tammy! Ohne Baby hätte ich damit kein Problem. Aber wir können das Kleine doch nicht ständig hin und her zerren! Es braucht eine gewohnte Umgebung und nicht ständig Neues!“
Sie blickte ihn trotzig an.
„Hier wird es doch nicht fremd sein! Das Baby hat dann eben zwei Zuhause!“
„Das ist doch Unfug! Hier haben wir viel mehr Platz und können ein richtig schönes, großes Kinderzimmer einrichten. Du kennst doch den Raum gleich neben dem Schlafzimmer. Tammy, daß ist doch viel vernünftiger!“ beharrte er.
„Du kannst den Raum doch trotzdem einrichten! Warum willst du alles überstürzen?“
„Ich überstürze nichts, ich denke nur weiter als du!“ antwortete er gereizt.
„Du willst nur deinen Willen durchsetzen!“ bockte Tammy.
Jon musste seinen Ärger mühsam unterdrücken. Er schwieg nachdenklich, dann blickte er sie ernst an.
„Du glaubst nicht an uns, nicht wahr? Du willst nicht umziehen, weil du Angst hast es klappt nicht mit uns. Ist es das?“
Sie schnappte nach Luft, ihre Augen füllten sich mit Tränen.
„Nein! Wie kannst du das nur denken? So ist es nicht, wirklich nicht!“ rief sie bestürzt.
„Gut, dann sag mir worum es dir wirklich geht!“ bat er sie.
Sie seufzte und wischte sich die Tränen von den Wangen.
„Ich...ich...also ich liebe mein kleines Häuschen! Ich habe es von meinen Großeltern geerbt und viel Arbeit hineingesteckt. Seit ich schwanger bin habe ich mir die ganze Zeit vorgestellt wie es sein würde mit meinem Baby da zu leben. Es sollte unser kleines Nest sein. Das du plötzlich auftauchst stand ja irgendwie nicht im Drehbuch!“
Sie schniefte leise und blickte ihn mit feuchten Augen an. All sein Ärger löste sich in Luft auf. Behutsam legte er ihr den Arm um die Schultern und zog sie an sich.
„Okay, ich kann dich verstehen!“
„Wirklich? Jon, ich will mich nicht mit dir streiten!“ murmelte sie an seiner Brust.
Er küsste sie aufs Haar, streichelte ihren Nacken.
„Ist schon wieder gut! Tut mir leid, wenn ich zu heftig war! Wir werden also zunächst mal hier und mal bei dir wohnen und zusehen, daß wir es dem Baby so schön wie möglich machen! Du musst mir aber dabei helfen das Kinderzimmer herzurichten!“ beruhigte er sie.
„Danke! Es bedeutet mir wirklich viel! Es heißt ja auch nicht, daß es für immer so bleiben soll!“
Er nickte zustimmend und küsste sie zärtlich. Wieder im Reinen saßen sie eine ganze Weile still beieinander und hielten sich fest. Tammy war es, die das Schweigen brach.
„Jon, ich würde dich gerne bei der Geburt dabei haben! Kommst du mit?“
Er war überrascht und auch ein wenig verwirrt. Er hatte fest angenommen, daß Tammy ihre Mutter dabei haben wollte. Niemals hatte er daran gedacht selbst dabei zu sein. Ihm war ein bisschen flau im Magen.
„Willst du nicht deine Mum bei dir haben?“
„So wars mal geplant, als es dich noch nicht gab. Jetzt hätte ich lieber dich an meiner Seite. Ich fände es schön, wenn wir beide zusammen das Würmchen auf die Welt holen.“ Erwiderte sie mit weicher Stimme.
Jon war gerührt und ihm fehlten die Worte. Ihr sanfter Blick verriet ihm, daß diese Bitte eine Art Liebesbeweis war. Seine Stimme klang rau als er antwortete.
„Wenn du es so willst, dann komme ich gerne mit!“

Chapter 8


Die nächsten drei Tage verbrachten sie ausschließlich zusammen und genossen die neue Verliebtheit in vollen Zügen. Sie gingen lediglich Einkaufen oder ein wenig am Strand spazieren, wollten einfach ungestört bleiben. Sie redeten viel und Jon war erstaunt wie leicht es ihm fiel sich Tammy zu öffnen. Er vertraute ihr Dinge und Gedanken an, die er bisher nur mit Richie hatte teilen können. Er erkannte, daß Tammy nicht nur Geliebte für ihn sein würde, sondern vor allem auch aufgeschlossene und kritische Freundin. Diese Erfahrung war für ihn relativ neu, aber sie gefiel ihm ausgesprochen gut. Tja, und das Liebesleben mit ihr war nahezu perfekt! Natürlich waren sie durch ihre Schwangerschaft etwas eingeschränkt, aber das störte ihn weniger als sie selbst. Sie hatten einfach Spaß zusammen und lachten viel, wenn sie sich liebten. Tammys fröhliches Gemüt machte sich auch in ihrem Bett breit und es war vorgekommen, daß er ihr den Mund zuhalten musste, weil sie denn doch zuviel quatschte. Ohne viel Mühe konnte er sich vorstellen, wie es sein würde, wenn sie nicht mehr auf das Ungeborene Rücksicht nehmen mussten. Tammy ließ jedenfalls keine Gelegenheit aus, um ihm die himmlischsten Dinge in Aussicht zu stellen. Sie hatte sich königlich amüsiert als er ein wenig verlegen geworden war. Als wirkungsvollstes Mittel, sie zum Schweigen zu bringen, hatte es sich gezeigt, sie zu küssen. Für ihn stand jedenfalls fest, daß er mit noch keiner Frau so glücklich und zufrieden gewesen war, wie mit Tammy.

„Soll ich nicht doch mitkommen, Jon?“ Tammy blickte ihn mit großen Augen an.
Er schüttelte den Kopf und küsste sie zärtlich.
„Nein, lass mich mal alleine gehen! Du hast letzte Nacht schlecht geschlafen und siehst ganz schön fertig aus. Leg dich ein wenig hin und erhol dich! Ich hole dich danach ab und wir fahren zu mir rüber. Okay?“
Sie seufzte laut und gab nach. Sie küsste ihn schmatzend auf den Mund, dann verließ er das Haus.
Auf dem Weg zu seinen Eltern dachte er darüber nach, wie er am Besten zur Sprache bringen konnte, was er dringend los werden musste. Eine Lösung fand er nicht und ein bisschen Unruhe kam auf. Im Grunde tat er ja immer was er wollte, aber der Segen seiner Eltern war ihm dennoch wichtig. Irgendwie musste er das schon auf die Reihe kriegen! Tammy zuliebe.
Als er das Haus seiner Eltern betrat, roch es nach frischem Kaffee. Wie immer stand seine Mum in der Küche und rührte in Schüsseln und Töpfen. Er mochte ihre Betriebsamkeit, vor allem weil das Ergebnis meistens köstliches Essen war. Er küsste sie zur Begrüßung auf die Wange.
„Hi Mum! Ist Dad auch zuhause?“
Sie wies mit einem Kopfnicken in Richtung Wohnzimmer.
„Er sitzt vor dem Fernseher. Wie geht’s dir?“
Er antwortete nur knapp und ging seinen Dad holen. Neugierig folgte sein Vater ihm in die Küche und sie setzten sich an den Tisch. Seine Mutter kam mit Kaffee und Tassen dazu, setzte sich ebenfalls.
„Muß ja sehr wichtig sein, wenn du so förmlich wirst, Junge!“ bemerkte sein Dad.
Jon spürte die ernsten und neugierigen Blicke seiner Eltern. Er trank einen großen Schluck Kaffee, atmete tief durch und blickte ruhig in die Runde.
„Okay, ich mach’s kurz und schmerzlos! Ich liebe Tammy und wir sind zusammen! Ihr werdet also doch bald ein Enkelkind bekommen!“ ließ er die Bombe platzen.
Einen Moment lang herrschte Stille, dann fing sein Dad an zu lachen.
„Du hast länger gebraucht als ich dachte!“ bemerkte John sen. amüsiert.
„Wozu, Dad?“
„Um zu merken, daß Tammy ein tolles Mädchen ist! Hat dich das Baby abgeschreckt?“
„Vielleicht ein bisschen. Am Anfang.“ Gab Jon offen zu.
Sein Dad nickte verständnisvoll und klopfte ihm auf die Schulter.
„Hauptsache du hast die Kurve noch gekriegt! Ich freue mich für dich, Jonny!“
Jon nickte dankbar, wandte sich dann seiner Mum zu, die noch keinen Mucks von sich gegeben hatte. Ihre Miene war nicht so dunkel wie er befürchtet hatte.
„Mum?“ erkundigte er sich.
Sie straffte ein wenig die Schultern, sah ihn offen an.
„Du weißt hoffentlich, daß es nicht immer einfach sein wird mit dem Baby!“
„Natürlich bin ich mir darüber im Klaren, daß es problematisch werden könnte. Vor allem, da noch nicht klar ist, ob Tammys Ex sich um das Kind kümmern wird oder nicht. Aber sie hat ne klare Linie wie sie damit umgehen will und ich werde sie darin unterstützen. Wichtig ist, daß ich sie liebe und mich wahnsinnig auf das Baby freue!“
Seine Mutter tätschelte seine Hand und lächelte.
„Na gut! Ich habs mir zwar immer anders vorgestellt Großmutter zu werden, aber was soll es! Tammy ist ein liebes Mädchen, ich mag sie sehr. Warum hast du sie heute nicht mitgebracht?“
Jon atmete innerlich auf. Seine Eltern reagierten völlig anders als erwartet.
„Tammy hat letzte Nacht nicht gut geschlafen und ich fand es besser, wenn sie sich ein wenig ausruht. Außerdem war ich mir nicht sicher, ob ihr mir nicht gehörig den Kopf waschen werdet! Ich wollte nicht, daß sie womöglich zwischen die Fronten gerät!“ Er zuckte entschuldigend mit den Achseln.
Seine Mum lachte leise.
„Sieh an, du hattest die Hosen voll! Schadet dir nicht! Habt ihr schon Pläne gemacht? Wird Tammy bei dir einziehen? Habt ihr schon die Babyausrüstung gekauft? Ich sollte sie anrufen und mit ihr einkaufen fahren und vielleicht findet sich auf dem Dachboden ja noch so einiges von euren Babysachen!“
„Carol, Stopp! Überfordere die beiden nicht gleich mit deinem Tatendrang! Ich bin mir sicher sie kommen auch alleine klar!“ schaltete sich John sen. ein.
Jon war ihm dankbar.
„Mum, danke für dein Angebot! Wenn wir Hilfe brauchen, dann rufen wir dich auf alle Fälle an! Bis jetzt haben wir noch nicht drüber gesprochen wo wir wohnen werden. Wird sich noch zeigen.“
Seine Mum schien besänftigt zu sein und stand auf. Sie lehnte sich zu ihm herab und umarmte ihn kurz.
„Na gut, ihr regelt das schon! Pass mir gut auf die beiden auf!“
Jon lachte und küsste seine Mum auf die Wange.
„Mach ich! Versprochen!“
Er blieb noch eine halbe Stunde, in der sie auch noch andere Sachen besprachen.

Jon erledigte noch einige Einkäufe, dann fuhr er zurück zu Tammys Haus. Als er das Wohnzimmer betrat lag sie noch immer schlafend auf dem Sofa. Leise ging er neben dem Sofa auf die Knie. Die Locken hingen ihr zerzaust ins Gesicht, ihre Wangen waren ein wenig gerötet. Ein kleines, leises Schnarchen ließ ihn grinsen. Sanft berührte er ihre Wange mit dem Finger und küsste sie leicht auf die Stirn. Sie seufzte tief und wenige Sekunden später schlug sie die Augen auf. Sie blinzelte ein paar Mal, dann begannen ihre Augen zu leuchten.
„Hallo Cowboy!“ murmelte sie mit rauer Stirn.
„Hi Moby!“
Sie hob ein wenig den Kopf und beugte sich zu ihm vor. Sie lächelte als sie ihn küsste.
„Wie lief’s denn?“ fragte sie neugierig und strich durch seine Haare.
„Bestens! Sie freuen sich für uns und vor allem freuen sie sich auch auf das Baby. Meine Mum wird uns bald mit Babysachen überschütten.“
Er bemerkte die Erleichterung in ihrer Miene und erst jetzt wurde ihm klar, daß sie sich Sorgen gemacht hatte. Er zog sie behutsam in die Arme und streichelte ihr Haar.
„Du musst dir nicht länger Sorgen machen, Kleines! Jetzt können wir alles so regeln wie wir es wollen! Okay?“
Sie nickte an seiner Schulter, küsste ihn auf die Wange.

„Kommst du mit rein?“
„Muß das sein? Du weißt, daß ich Krankenhäuser und Ärzte hasse!“ wehrte er lahm ab.
Sie kniff ihn kräftig in die Wange.
„Jetzt hab dich nicht so! Du bist nicht der Patient und ich hätte dich gerne dabei, wenn der Doc ein neues Ultraschallbild macht. Bitte!“
Seufzend gab er nach und stieg aus dem Auto. Ihm war nicht sonderlich wohl bei der Sache. Dieser ganze Frauenkram rund um Schwangerschaft und Geburt machte ihm ein wenig Angst.
Zehn Minuten später saß er neben Tammy, die auf einer Untersuchungsliege lag. Man hatte ihr den Wollpulli hochgeschoben und der Doc schmierte gerade irgendein Gel auf den Bauch. Neugierig sah er dem Treiben des Arztes zu, der genau erklärte, was er da tat.
„Na bitte, da haben wir das Kleine ja schon!“ rief der Doc begeistert aus und zeigte auf den Monitor.
Jon folgte seinem Blick. Er konnte die Freude zuerst nicht recht verstehen. Für ihn sah das aus wie das Schneegestöber im Fernsehen nach Sendeschluß. Tammy griff nach seiner Hand und sie lächelte glücklich. Der Doc schien zu merken, daß er planlos war. Mit wenigen Deutungen erklärte er ihm das Bild und nun konnte auch er es erkennen. Das Bild wurde noch ein wenig schärfer und es nahm ihm den Atem. Wow!
„Sieht alles bestens aus, Tammy! Und sehen Sie mal, es hat den Daumen im Mund!“
Tammy sah ihn glücklich strahlend an, aber er brachte kein Wort heraus. Das Baby, daß er sich bisher noch nicht hatte vorstellen können, hatte nun Gestalt angenommen. Es war als würde es für ihn erst jetzt wirklich existieren.
„Ist das nicht süß, Jon? Unser Baby nuckelt am Daumen!“ flüsterte Tammy bewegt und drückte seine Hand.
Er konnte nur nicken, musste immer wieder zurück auf den Monitor blicken. Sie mussten ihn regelrecht aus dem Untersuchungszimmer zerren, weil er sich nicht von dem Anblick lösen konnte. Freudig schwenkte Tammy das neue Ultraschallbild vor seiner Nase und grinste breit.
„Meinst du, du wirst deine Sprache noch vor der Geburt wieder finden?“ zog sie ihn auf.
Er holte tief Luft.
„Das ist alles einfach unglaublich! Macht mich völlig fertig, Tammy! Gib mir ein bisschen Zeit um das auf die Reihe zu kriegen!“ stieß er fast atemlos hervor.
Besorgnis zeigte sich in ihren Augen und sie blieb wie angewurzelt stehen.
„Kriegst du kalte Füße?“
„Um Himmelswillen nein! Mir wäre es am liebsten, wenn du das Baby gleich morgen kriegst! Ich bin so neugierig auf das Kleine!“ rief er beschwichtigend aus.
Sie knuffte ihn kräftig in die Seite und steuerte auf den Wagen zu.
„Jag mir nie wieder solche Angst ein, Jon! Ich mach dich kalt!“ drohte sie ihm zwinkernd.

Chapter 7


Sie schubste ihn liebevoll Richtung Bett, drückte leicht seine Hand und küsste ihn zart aufs Ohr.
„Raus aus den Klamotten! Ich bin gleich wieder bei dir!“
Er nickte mit klopfendem Herzen, sah ihr nach als sie im Badezimmer verschwand. Hastig schälte er sich aus seinen Kleidern und schlüpfte unter die Decken ihres Bettes. Aus dem Bad drang kein Laut, er wurde wieder etwas nervös. Was, wenn es doch nicht richtig war? Man musste doch auch kein Risiko eingehen und so lange konnten 2 Monate Warten doch auch wieder nicht sein! Mitten in seinen Zweifeln hörte er ein Geräusch und sah auf. Die Badezimmertür öffnete sich und Tammy trat heraus. Sie war nackt! Im sanften Schein der Nachttischlampe konnte er sie dennoch deutlich sehen. Zarte Schultern, voller, runder Busen und der pralle Kugelbauch. Er holte scharf Luft, seine Erregung stieg schlagartig. Sie lächelte sanft, aber er spürte einen Hauch Unsicherheit in ihrer Haltung.
„Du bist wunderschön, Tammy!“ versicherte er ihr bewegt und aufrichtig.
Ihr Lächeln wurde breiter und sie kam langsam zum Bett. Ihre Brüste wippten sachte, ihre Bewegungen waren sinnlich und voller Anmut. Er streckte die Hand nach ihr aus und sie ließ sich von ihm ins Bett ziehen. Vorsichtig zog er sie an sich, bis er sie fühlen konnte. Ihre Haut war warm und fühlte sich unglaublich gut an. Sie lag auf der Seite und blickte ihn erwartungsvoll an. Sein Blick glitt zu ihrem Bauch und er musste ihn einfach berühren. Zärtlich streichelte er über die Kugel. Es fühlte sich wunderbar an und er konnte gar nicht mehr damit aufhören. Sie lächelte zufrieden. Flink stützte er sich auf dem Ellbogen ab und küsste schmatzend ihren Bauch.
„Hallo Würmchen! Ich hoffe, es wird nicht zu unruhig für dich, aber deine Mummy und ich werden gut auf dich aufpassen!“
Tammy lachte herzlich und gab ihm einen Klaps auf den Hinterkopf.
„Kindskopf! Fühlst du dich jetzt besser oder wartest du sogar auf Erlaubnis?“ neckte sie ihn.
Er musste grinsen und küsste sie zärtlich.
„Kleine Warnung kann ja nicht schaden, oder?“
„Vielleicht sollte ich dich lieber warnen!“ flüsterte sie und führte seine Hand zwischen ihre Schenkel.
Er verstand sofort was sie meinte, als er ihren warmen Schoß berührte.

„Oh Gott, Tammy, hör auf! Du treibst mich in den Wahnsinn!“ keuchte Jon.
Sie grinste breit, ließ die Hüften aufreizend auf ihm kreisen.
„Ich dachte, da wolltest du hin!“ gab sie ebenfalls ein wenig atemlos zurück.
Er konnte kaum noch einen klaren Gedanken fassen. Es kam ihm wie Ewigkeiten vor, daß sie ihr Liebesspiel begonnen hatten. Tammy war ihm mehrmals vorweg geeilt, doch nun war er auf bestem Wege sie einzuholen. Mit zufriedener Miene saß sie auf seinen Lenden und trieb ihr aufregendes Spiel mit ihm. Alleine der Anblick, der sich ihm bot, reichte beinahe um ihn den Verstand verlieren zu lassen. Dieser prall gewölbte Bauch war einfach wunderschön anzusehen! Und ihre vollen, runden Brüste lagen so herrlich schwer in seinen Händen, daß er kaum die Finger von ihnen lassen konnte. Erneut strolchten seine Finger von ihren Hüften, hoch zu ihrem Busen. Zärtlich stupste er eine ihrer Spitzen an und sie seufzte leise.
„Was siehst du mich so an?“
„Ich kann es einfach nicht glauben, wie schön du bist!“ erwiderte er rau.
Sie kniff ihn lächelnd in den Bauch und ihre Hüften stießen erneut hart gegen ihn. Nur Sekunden später begriff er, daß er den Kampf um Beherrschung verlor. Er ließ los und nahm sie mit sich.

„Shit, ich hatte ganz vergessen wie gut das ist!“ stieß Tammy noch ein wenig atemlos hervor.
Jon wandte träge den Kopf, blickte ihr in das erhitzte Gesicht. Ihre Augen strahlten und ihre Lippen waren von den vielen heißen Küssen leicht geschwollen. Liebevoll küsste er sie auf die Nasenspitze und strich ihr ein paar Locken hinter das Ohr.
„Moby, du hast doch gar nicht wissen können, wie gut es mit MIR ist!“
Sie lachte leise und zog ihn am Ohr.
„Eingebildeter Macho!“ neckte sie ihn.
Er grinste nur breit und zog sie fest an sich. Immer wieder tauschten sie kleine Küsse aus, flüsterten miteinander und erkundeten ziellos den Körper des anderen.
Tammy lag träge mit dem Kopf auf seinem Arm, die Augen nur noch kleine Schlitze. Sanft fuhr er mit den Fingerspitzen die Formen ihrer Brüste nach.
„Normalerweise habe ich nicht so einen großen Busen.“ Murmelte sie irgendwann.
„Und?“ fragte er verwirrt nach.
Sie blinzelte müde.
„Ich wollte es dir nur sagen, damit du später nicht enttäuscht bist!“
„Du bist müde, du redest Unsinn, Moby!“
„Nein, daß sind nur knallharte Fakten, Jon! Du weißt gar nicht wie ich ohne Bauch aussehe! Was, wenn ich dir dann nicht gefalle?“ blieb sie hartnäckig.
Jon richtete sich ein wenig auf und sah sie fest an.
„Naja, solltest du mir knochendürr und flachbrüstig nicht gefallen, dann werde ich wohl dafür sorgen müssen, daß du ständig schwanger bist!“ antwortete er gespielt ernst.
Er sah zunächst Unsicherheit in ihren Augen, dann die Erkenntnis, daß er sie nur aufzog. Sie küsste ihn schmatzend und grinste breit.
„Du bist dämlich, aber ich liebe dich Cowboy!“ flüsterte sie.
„Sag das bitte noch mal!“ bat er sie bewegt.
„Du bist dämlich!“ antwortete sie frech.
Er schüttelte den Kopf.
„Nicht das! Das Andere!“
Sie grinste noch breiter und drehte sich von ihm weg, so daß er nur noch ihren Rücken vor sich hatte.
„Heute nicht mehr, morgen wieder!“ murmelte sie schläfrig.
Er rückte näher an sie heran, schmiegte sich an ihren warmen Körper und umschlang sie fest mit den Armen.
„Versprochen, Moby?“
„Versprochen, Cowboy!“
Wenige Sekunden später war sie eingeschlafen.

Am nächsten Morgen saßen sie gemütlich auf Tammys Sofa, frühstückten und sahen sich Fotoalben an. Tammy hatte sich neben ihm zusammengerollt und gab Erklärungen zu den Fotos ab. Immer wieder musste er lachen, wenn sie in ulkigen Situationen fotografiert worden war. Interessiert betrachtete er ein Foto von ihr im Bikini, daß gerade mal 1 Jahr alt war. Grinsend blickte er sie an, tätschelte ihr Knie.
„Okay, ich glaube du musst doch nicht ständig schwanger sein um mir zu gefallen!“
Sie kicherte vergnügt, wurde jedoch schnell ernst.
„Willst du eigentlich auch eigene Kinder haben?“
Ihre Frage irritierte ihn ein wenig und er wandte ihr nun seine volle Aufmerksamkeit zu.
„Ich denke, ich muß noch etwas klarstellen! Tammy, dein Baby wird auch mein Baby sein, egal ob ich der Vater bin! Es ist ein Teil von dir und ich liebe euch beide! Ich hätte gerne eine große Familie, aber nur wenn du es auch willst.“ Erklärte er ihr ruhig.
Sie berührte seine Wange und lächelte sanft.
„Danke, Jon! Ich möchte auch noch weitere Babys haben! Aber warten wir erstmal ab wie es sein wird, wenn das Kleine hier geschlüpft ist! Vielleicht treibt es uns in den Wahnsinn und wir wollen dann keine weiteren Sprösslinge mehr!“
Er musste grinsen.
„Glaubst du doch selbst nicht, oder?“
Sie schüttelte lachend den Kopf.
„Nicht wirklich! Ich muß dir aber auch noch etwas sagen. Ich habe Toby gesagt, daß er das Baby jederzeit sehen darf, wenn er möchte. Er hat sich dazu noch nicht eindeutig geäußert, aber ich werde ihn informieren, wenn das Kleine da ist. Was er dann daraus macht ist seine Sache und ich werde die Zügel in der Hand halten! Es kann also durchaus sein, daß du ihn zu sehen bekommst, Jon!“
Er zuckte mit den Schultern.
„Ist völlig in Ordnung! Er hat das Recht sein Kind zu sehen und ich werde dir nicht dazwischen reden. Ich werde dir nur nicht versprechen, daß ich ihm nicht irgendwann mal mitteile, was ich von ihm halte! Der Rest wird sich finden.“
„Fein! Das hört sich fair an und wir müssen sowieso abwarten wie er sich verhalten wird. Was hältst du davon, wenn wir in den nächsten Tagen mal bei meinen Eltern vorbeischauen? Meine Mum ist wahnsinnig neugierig auf dich!“
„Klar, können wir machen! Tja, ich sollte auch mal drüber nachdenken, wie ich meinen Eltern die neue Situation zwischen uns bei bringen kann!“ erwiderte er nachdenklich.
Tammy setzte sich auf und griff nach seiner Hand. Sie wirkte besorgt.
„Oje, erwartest du Schwierigkeiten?“
Er neigte den Kopf ein wenig zur Seite.
„Einfach wird’s nicht! Ich fürchte, meine Mum wird ein paar Tage scharf mit mir ins Gericht gehen und mir alle erdenklichen Horrorszenarien vor Augen führen. Das ist so ihre Art. Aber dann wird sie sich einkriegen und losziehen, um Strampelanzüge zu kaufen. Wir werden uns vor Babykram nicht mehr retten können!“
Sie lachte amüsiert und küsste ihn schmatzend auf die Wange.
„Damit kann ich leben, daß halten wir schon aus! Ich brauche noch eine Menge Babysachen und langsam wird’s ja mal Zeit!“

Chapter 6


Nervös wischte sich Jon die Hände an der Hose ab. Er tastete die Jackentasche ab, fand was er suchte. Warum nur war er so nervös? Tammy hatte ihn doch schon häufig zum Essen zu sich eingeladen! Okay, aber da hatte er noch nicht gewusst, welche Gefühle er wirklich für sie hegte! Jetzt war alles anders und es war nervenaufreibend. Mühsam riß er sich zusammen, streckte die Hand nach der Türklingel aus. Bevor er sie drücken konnte, wurde die Tür schwungvoll aufgerissen und Tammy stand vor ihm.
„Ich hab schon gedacht du willst da draußen Wurzeln schlagen, Jon!“ zog sie ihn grinsend auf.
Schlagartig schoß ihm die Röte ins Gesicht. Sie hatte also mitbekommen, daß er minutenlang vor der Tür gezögert hatte! Fing ja prächtig an! Er rang nach einer Antwort, aber er hatte nur Augen für Tammy. Sie trug ein schwarzes, Samtkleid, daß eng an ihrem Busen anlag und dann in sanftem Schwung über ihren Babybauch fiel. Das Kleid zeigte ein hübsches, volles Dekollete und viel von ihren schönen Beinen. Ihre Locken waren zum Teil hochgesteckt, der Rest fiel in weichen Wellen auf ihre Schultern. Sie sah atemberaubend aus!
„Sorry! Schön dich zu sehen, Tammy!“ erwiderte er letztendlich.
Sie lachte und griff nach seinem Arm, um ihn ins Haus zu ziehen. Nachdem er seine Jacke an die Garderobe gehängt hatte, standen sie sich gegenüber. Sie lächelte sanft und breitete die Arme ein wenig aus. Die kleine Geste genügte um ihn sicherer werden zu lassen. Behutsam umarmte er sie und küsste sie auf die Wange.
„Schön, daß du zurück bist!“ murmelte sie an seiner Schulter.
Nur zögerlich ließ er sie wieder los und gab ihr einen Klaps auf den Po.
„Gibt’s hier auch was zu essen?“ neckte er sie grinsend.
Amüsiert den Kopf schüttelnd ging sie ihm in die Küche voraus. Sie hatte den Esstisch bereits gedeckt und es roch köstlich. Er musste leise lachen, als er die Tischdeko entdeckte. Sie hatte ein wenig Sand auf die Tischdecke gestreut und mit hübschen Muscheln verziert.
„Das sieht toll aus!“ lobte er sie aufrichtig.
„Naja, ich dachte ich kann damit deine Karibiklaune noch ein bisschen verlängern!“ gestand sie freudig.
Er nickte zustimmend und gesellte sich zu ihr an die Frühstückstheke. Neugierig schielte er zu den Töpfen und Pfannen hinüber.
„Dauert noch ein paar Minuten! Lass uns erstmal auf deine Rückkehr und auf deinen Erfolg anstoßen!“
Er wandte sich ihr wieder zu und sie hielt zwei Cocktailgläser in den Händen. Die Drinks schimmerten gelb und rot, waren mit Orangenscheiben verziert. Tammy führte ihr Glas an die Lippen, reichte ihm sein Glas. Erschrocken riß er ihr die beiden Drinks aus der Hand und schüttete sie in das Waschbecken.
„Spinnst du? Du wirst keinen Alkohol trinken und dem Baby damit schaden!“ rief er entsetzt aus.
Ihre Augen waren weit aufgerissen, dann fing sie schallend an zu lachen. Wenig amüsiert wartete er ab, bis sie sich wieder beruhigt hatte. Sie wischte sich vorsichtig über die Augenwinkel, grinste noch immer breit.
„Du bist süß, Jon! Die Drinks waren harmlos und völlig alkoholfrei! Schade, die Dinger haben wirklich toll geschmeckt!“ zog sie ihn auf.
Betreten senkte er den Blick. Nur sehr selten war er sich so dämlich vorgekommen wie gerade in diesem Augenblick! Er war noch keine 5 Minuten hier und hatte sich bereits zweimal gründlich blamiert! Wenn das so weiterging, dann konnte er sich auch gleich den Strick nehmen!
„Entschuldige, Tammy! Ich hätte nicht so überreagieren dürfen! Tut mir leid, daß du dir die Arbeit umsonst gemacht hast!“ murmelte er geknickt.
Geheimnisvoll lächelnd ging sie zum Kühlschrank und öffnete ihn. Triumphierend hielt sie einen Krug, gefüllt mit dem Cocktail in die Höhe.
„Nur gut, daß ich vorgesorgt habe! Aber nett, daß du dich so sehr um unser Wohlbefinden sorgst! Setz dich jetzt lieber und bevor du wieder etwas entsorgst, frag mich bitte vorher! Okay?“ neckte sie ihn.
Erleichtert nickte er und setzte sich folgsam an den Tisch. Zum Glück war sie nicht böse, sondern schien sich zu amüsieren.
Wenig später servierte sie zur Vorspeise einen köstlichen Salat und frisch gebackenes Brot. Während sie aßen, quetschte sie ihn über die Band aus. Er berichtete ihr ausführlich davon. Sie freute sich aufrichtig für ihn und es tat ihm gut mit ihr darüber zu reden. Sie begriff schnell die Zusammenhänge und erkannte die Chancen, die sich daraus ergaben.
„Ist doch alles wunderbar! In ein paar Monaten setzt ihr euch zusammen und die Arbeit für ein neues Album kann los gehen. Nur schade, daß Richies Soloalbum nicht so erfolgreich geworden ist! Er hätte es wirklich verdient gehabt! Ich habs mir letzte Woche gekauft und seitdem höre ich es immer wieder! Ich liebe die Songs!“ schwärmte Tammy.
„Seh ich genauso! Richies Album ist großartig und hätte mehr verdient! Leider wieder mal ein Beweis dafür, daß gute Musik nicht mehr von vielen geschätzt wird! Heute musst du schon aus Seattle kommen und mit Depressionen gesegnet sein, damit du mit Grunge Erfolg haben kannst! Wird ein hartes Stück Arbeit werden, um ein erfolgreiches Comeback hinzulegen!“ Er seufzte tief.
„Mag sein! Aber hör auf zu jammern und mach dich lieber an die Arbeit!“ entgegnete Tammy unwirsch.
Er nahm es ihr nicht übel, denn sie hatte Recht.

„Du hast Farbe gekriegt und deine Haare sind von der Sonne viel heller geworden! Steht dir gut!“
Er zuckte ein wenig verlegen die Achseln.
„Danke! Aber du siehst auch erholt aus! Die paar Tage bei deinen Eltern müssen dir gut getan haben!“
Sie nickte lächelnd und zog die Beine bequem unter sich. Sie waren fertig mit essen und saßen sich nun auf dem Sofa gegenüber. Tammy hatte sich in eine Sofaecke verzogen und lehnte sich entspannt in die Kissen. Im sanften Kerzenlicht schimmerten ihre schwarzen Strümpfe seidig an ihren Beinen. Die Pumps hatte sie längst von den Füßen gekickt.
„Hm, war nett bei meinen Eltern. Mal nicht den ganzen Tag auf den Beinen sein und sich um alle möglichen Probleme zu kümmern hat was! Langsam wird’s etwas beschwerlich mit dem dicken Bauch.“ Gab sie zu.
Jon lachte leise und kniff sie liebevoll ins Knie.
„Na bitte, ich habs dir ja gesagt! Das Baby wird drei Kreuze gemacht haben, daß es von jetzt an ruhiger werden wird! Wie lange wird dich deine Mum denn vertreten?“
„Hah, ich werde drei Kreuze machen, wenn das Kleine endlich geschlüpft ist! Bald rolle ich nur noch durch die Gegend! Meine Mum kann mich solange vertreten wie ich möchte. Sie überlässt es ganz mir, wann ich wieder anfangen will. Mein Bruder hilft nun meinem Dad und ist ganz scharf darauf etwas zu lernen. So kurz nach seinem Abschluß ist der Elan noch riesig!“ Sie zwinkerte ihm zu und sein Herz schlug augenblicklich schneller.
Ihr Haar schimmerte sanft und ihre Wangen trugen einen rosigen Glanz. Ein paar Locken hatten sich aus ihrer Frisur gelöst und kringelten sich frech um ihre Ohren. Ihr Lächeln war heute besonders hübsch, wie er fand! Er konnte sich einfach nicht mehr von ihrem Anblick los reißen und er hatte völlig den Faden ihres Gesprächs verloren. Zunächst blickte sie ihn abwartend an, dann trat ein neuer Ausdruck in ihre Augen. Deuten konnte er ihn nicht, aber ihm wurde warm. Zudem verflog auch noch der Rest seiner Anspannung, das Atmen fiel ihm leichter. Er rutschte näher an sie heran, berührte mit den Fingerspitzen ihre Hand, die auf ihrem Bein ruhte.
„Tammy, ich muß dir was sagen!“ kündigte er leise an.
Sie schüttelte leicht den Kopf und berührte mit dem Zeigefinger seine Lippen.
„Du musst nichts sagen! Ich weiß es, Jon!“ erwiderte sie ebenso leise. Ihr Finger strich federleicht über seine Unterlippe, er bekam Gänsehaut.
„Was weißt du?“ fragte er verblüfft.
Sie kam ihm näher, er spürte ihren Atem auf seinem Gesicht. Er versank in ihren dunklen Augen.
„Alles! Der kleine Abstand hat uns beiden gut getan, denn jetzt wissen wir um unsere Gefühle! Hab ich Recht?“ flüsterte sie ruhig.
Eine riesige Welle der Erleichterung fegte über ihn hinweg. Sofort folgte die Freude, die er dennoch zügelte.
„Und du bist dir ganz sicher?“
Ein nachsichtiges Lächeln huschte über ihre Lippen.
„So sicher wie man sich nur sein kann! Als du damals nach deinem ersten Besuch gegangen bist, hast du etwas ganz wichtiges mitgenommen und nicht mehr zurückgebracht!“ Sie lächelte bezaubernd und ein Funkeln lag in ihren Augen.
„Und was war das?“
Blitzschnell hauchte sie ihm einen Kuß auf die Lippen.
„Mein Herz.“ Flüsterte sie mit warmer Stimme.
Zu beschreiben was er in diesem Augenblick fühlte war unmöglich. Bewegt und glücklich nahm er sie in die Arme. Er ertrank in ihren Augen, dann küsste er sie behutsam. Sie kam ihm entgegen, wurde weich in seinen Armen und an seinen Lippen. Sie schmeckte süß nach Ananas, dem Dessert, daß sie gegessen hatten. Er hätte sie stundenlang weiterküssen können, aber sie löste sich sanft von ihm. Ihr ganzes Gesicht strahlte, ihre Lippen schimmerten feucht und zarte Röte bedeckte ihre Wangen. Sie streichelte über seine Wange.
„Wirst du es behalten?“ fragte sie unsicher.
„Für immer.“
Sie nickte zufrieden.
„Und deins?“
Er lachte leise und zog ihre Hand von seiner Wange weg und legte sie auf seine Brust.
„Besitzt du längst! Aber du wirst es mit dem Würmchen teilen müssen!“
Ihre Augen füllten sich mit Tränen und er zog sie zurück in seine Arme. Zärtlich streichelte er ihr Gesicht und küsste sie ausgiebig. Sie seufzte leise und schlang die Arme um seinen Nacken.

Als er zurück ins Wohnzimmer kam, stand Tammy an der Stereoanlage und hatte Musik aufgelegt. Sie lächelte ihm entgegen und er trat rasch zu ihr.
„Ich habe dir noch etwas mitgebracht, Moby!“
Sie hob überrascht die Augenbraue.
„Noch mehr?“
Er nickte und hielt ihr eine kleine Schachtel hin. Sie nahm sie und öffnete sie langsam.
„Wow, sind die schön! Vielen, herzlichen Dank, Jon!“ rief sie begeistert aus.
„Soll ich dir helfen?“
Sie drückte ihm die Schachtel in die Hand und entnahm die Ohrringe. Schnell hatte sie sie angelegt. Sie lief zum Spiegel im Flur und kam strahlend zurück.
„Sie sehen toll aus! Ich habe mir immer schon solche Perlen gewünscht!“
Er fasste sie um die Taille und zog sie an sich. Aufmerksam begutachtete er sie. Die Perlenohrringe glänzten fein und standen ihr hervorragend. Sein Instinkt beim Kauf hatte ihn nicht im Stich gelassen!
„Jetzt hast du die hübschesten Öhrchen, die ich kenne!“ kommentierte er lächelnd.
Sie dankte ihm mit einem leidenschaftlichen Kuß, der ihm die Knie weich werden ließ. Lange hielten sie sich fest umarmt, bis Tammy begann sich langsam im Takt zur Musik zu wiegen. Sie hob den Kopf und blickte ihn bittend an.
„Bitte tanz mit mir!“
Innerlich seufzend gab er nach. Tanzen war nicht sein Ding, aber wer konnte ihr schon einen Wunsch abschlagen? Langsam bewegten sie sich zur Musik, aber Tammy war nicht zufrieden. Sie löste sich aus seinen Armen.
„Der Bauch ist im Weg!“ beschwerte sie sich jämmerlich.
Jon musste lachen, aber er hatte eine Idee. Behutsam fasste er sie an den Schultern und drehte sie um. Hinter ihr stehend schlang er die Arme um ihren Bauch und küsste sie auf die Wange.
„Besser so? Es gibt für alles ne Lösung, Moby!“ neckte er sie.
Sie kicherte leise und schmiegte sich mit dem Rücken eng an seinen Körper. Seine Finger streichelten sanft über die feste Wölbung ihres Bauchs, seine Lippen huschten über ihre Wange, ihren Nacken. Sie schnurrte zufrieden und räkelte sich an ihm. Augenblicklich wurde ihm heiß und alles Blut schoß in südliche Gefilde. Es dauerte nicht lange, bis sie es bemerkte. Aufreizend streifte sie mit ihrem Po seine Lenden.
„Anscheinend müssen wir jetzt DEIN Problem lösen!“ neckte sie ihn.
Er brummte nur rau, gab ihr keine Antwort. Sie befreite sich aus seiner Umarmung und drehte sich zu ihm um. Ein schelmisches Lächeln lag um ihre Mundwinkel.
„Ich hab da auch schon so eine Idee!“ verkündete sie fröhlich.
Jon wurde noch heißer, ihm fielen ebenfalls einige Lösungen ein und keine davon beruhigte seinen Zustand.
„Ich halte das für keine gute Idee!“ wehrte er ab.
„Warum nicht?“ fragte sie verblüfft.
„Weil wir nichts überstürzen sollten! Wir sollten warten!“
Ihre Reaktion überraschte und verwirrte ihn, damit hatte er nicht gerechnet. Sie stemmte die Hände in die Seiten und funkelte ihn aufgebracht an.
„Worauf sollen wir warten? Wenn du glaubst, daß ich noch mehr als 2 Monate darauf warte mit dir zu schlafen, dann liegst du aber gewaltig daneben! Fuck, ich hätte dich am liebsten schon vor Wochen angesprungen!“ empörte sie sich hitzig.
Wieder schoß ihm die Röte in die Wangen. Himmel, das wurde ja langsam zur lästigen Gewohnheit! Er schluckte hart und hatte Mühe ihr in die Augen zu sehen.
„Und wenn’s dem Baby schadet?“ warf er ein.
Sie warf genervt die Hände in die Luft.
„Bullshit! Was mir gut tut, bekommt auch dem Baby! Ich hab meinen Doc gefragt und es gibt keinen Grund auf Sex zu verzichten! Himmel, ich bin schließlich schon ne halbe Ewigkeit abstinent, Jon!“
Ihre Worte beruhigten ihn ein wenig, seine Bedenken schwanden. Wenn schon der Doc grünes Licht gab!
„Aus der Nummer komm ich wohl nicht mehr raus, oder?“ fragte er grinsend.
Sie schüttelte lachend den Kopf und küsste ihn schmatzend.
„Kannst du vergessen!“ murmelte sie an seinen Lippen.

Chapter 5


Jon lag wach und wälzte sich von einer Seite auf die andere. Er konnte nicht schlafen, ihm ging zuviel durch den Kopf. Die letzten 3 Tage waren anstrengend aber auch erfolgreich gewesen. Die Aussprache mit den Jungs war hart gewesen, alle Befindlichkeiten waren auf den Tisch gelegt worden. Obwohl keine bösen Worte gefallen waren, hatte es Kraft gekostet sich mit den unangenehmen Wahrheiten auseinander zu setzen. Doch es war ihnen gelungen und sie waren wieder zusammen gewachsen. Sie wollten als Band weitermachen, brannten geradezu darauf ein neues Album aufzunehmen. Gut, bis dahin lag noch ein weiter Weg vor ihnen! Doch sie würden ihn gehen und er zweifelte nicht daran, daß sie ihn erfolgreich meistern würden. Sie wussten schließlich was sie drauf hatten!
Aber das war es nicht was ihm durch den Kopf ging. Tammy war es, die ihm nicht aus dem Sinn ging. All die Geschehnisse der letzten Tage hätte er am liebsten sofort mit ihr besprochen. Er wollte ihre Meinung dazu hören, es war ihm immens wichtig. Himmel ja, er vermisste sie! Er konnte gut ein paar aufmunternde Worte gebrauchen. Keine verstand es so gut zuzuhören wie es Tammy tat. Außerdem machte er sich Sorgen um sie. Bestimmt arbeitete sie wieder zuviel und achtete nicht genug auf sich und das Baby! Manchmal könnte er sie schütteln, weil sie in seinen Augen leichtsinnig handelte. Ob er sie überreden sollte, schon früher mit der Arbeit aufzuhören? Vielleicht würde es klappen, wenn er sie an ihre Verantwortung für das Kind erinnerte! Ohne harte Diskussion würde das aber nicht abgehen. Er seufzte tief und rollte sich auf die andere Seite herum. Vor seinem inneren Auge konnte er sie sehen. Ihre meistens zerzausten Locken, ihr niedliches Grübchen, wenn sie lächelte. Am schönsten fand er jedoch ihre warmen, haselnussbraunen Augen. Wenn man genau hinsah, dann konnte man alle ihre Emotionen darin sehen. Und wenn man nicht aufpasste, dann verlor man sich in ihrem seelenvollen Blick!

„Jon! Hallo?“
Er schrak aus seinen Gedanken und blickte auf. Richie stand neben seiner Hängematte und schien auf irgendwas zu warten.
„Was los?“ knurrte er unwirsch.
„Ich hab dich schon zweimal gefragt, ob du mit uns an die Strandbar kommst! Hast du was an den Ohren?“
„Geht alleine, ich hab keinen Bock! Meine Leber braucht ne Auszeit!“
Seine Antwort genügte nicht um Richie los zu werden. Im Gegenteil, Richie setzte sich auf die nahe stehende Sonnenliege und sah ihn aufmerksam an.
„Dämlicher Spruch, Kumpel! Seit wir hier sind hast du dich noch nicht einmal mit uns voll laufen lassen! Du mutierst langsam aber sicher zum Mönch! Dir sind nicht mal all die hübschen Mädels aufgefallen, die uns quasi am Bein kleben! Erzähl mir nicht, daß das normal ist!“ hielt Richie ihm vor.
Dagegen ließ sich kaum etwas erwidern. Richie hatte Recht. Ihn interessierten die Mädchen nicht und ihm war auch nicht nach Party feiern.
„Vielleicht hab ich mich ja in den letzten Monaten verändert!“
Richie nickte bedächtig.
„Und wahrscheinlich kennen wir beide auch den Grund für die Veränderung!“
Fragend zog Jon die Augenbraue hoch. Richie sprach in Rätseln.
„Sag mir einfach, ob ich richtig mit meiner Einschätzung liege! Du bist mit dem Kopf in Jersey und denkst an Tammy! Du fragst dich wie es ihr geht und ob sie dich nicht etwa brauchen könnte. Du vermisst sie und zählst die Stunden bis zum Rückflug. Tja Jon, das kann man eindeutig als Verliebtheit bezeichnen!“
Jon war mit jedem Wort heißer geworden und das lag nicht an der Sonne. Jedes Wort von Richie war ein Volltreffer gewesen. Und wenn er sich seinen Freund so ansah, dann war leugnen absolut zwecklos.
„Touchdown, du hast gewonnen! Ich vermisse sie schrecklich.“ Gab er zu.
Richie lächelte zufrieden.
„Na bitte, geht doch! Wenn ich nicht völlig daneben liege, dann geht es Tammy genauso!“
Skeptisch blickte Jon ihn an.
„Meinst du? Was bitte soll sie in ihrer Lage mit nem Kerl, der voller Zweifel steckt? Nein, sie braucht mich so wenig wie Fußpilz!“ jammerte Jon.
„Was für Zweifel? Geht’s darum, daß sie von nem anderen schwanger ist? Jon, enttäusch mich nicht! So spießig und klein kariert bist du nicht! No way!“
„Wie würdest du denn damit umgehen? Wäre dir egal, daß es nicht dein Kind ist?“
Richie schwieg eine ganze Weile.
„Ich glaube nicht, daß ich damit ein Problem hätte! Wenn ich das Mädchen liebe, dann wäre es mir egal. Tammy gibt es nun mal nur mit Baby und immerhin wird das Kleine ein großer Teil von ihr sein! Meinst du nicht, daß man diesen wichtigen Teil von ihr genauso lieben kann? Sieh mal, du kennst sie nur schwanger und mit all den Gefühlen, die sie für das Baby entwickelt hat. Vielleicht hättest du dich nie in sie verliebt, wenn sie nicht schwanger gewesen wäre! Vielleicht hat das sie ja für dich erst liebenswert gemacht! Schon mal darüber nachgedacht?“
Jon schwirrte der Kopf. Einige dieser Gedanken hatte er auch schon durchgespielt und wieder verworfen. Das Richie nun damit ankam, gab ihm ein wenig Sicherheit zurück.
„Über manches davon hab ich auch schon nachgedacht, Rich! Du könntest Recht haben! Tja, nur meine Gefühle alleine reichen nun mal nicht! Was wenn Tammy nur Freundschaft für mich empfindet? Sie hat mir nie einen Hinweis auf etwas anderes gegeben!“ gab Jon zu bedenken.
Richie wiegte den Kopf nachdenklich.
„Eigentlich bin ich mir ziemlich sicher, daß Tammy auf dich steht! Sie kriegt so ein Glitzern in den Augen wenn sie dich ansieht. Aber du wirst es herausfinden müssen, um sicher gehen zu können!“
„Ich hoffe, du hast Recht! Jesus, wie soll ich das Ganze nur angehen? Mir geht die Düse, Rich!“ gestand Jon geknickt.
Richie lachte heiser und zwinkerte ihm zu.
„Du kriegst das schon geregelt, Kumpel! Wie wärs, wenn du sie einfach mal anrufst und hörst wie es ihr geht? Sie freut sich bestimmt, daß du sie nicht völlig vergessen hast!“ schlug er vor.
„Gib zu, daß du dich weglachst, weil ich so ein Schisser bin!“
Richie stand auf und gab der Hängematte einen kräftigen Schubs. Jon konnte sich gerade so festhalten, daß er nicht rausflog.
„Ich gebe gar nichts zu, weil du es mir sonst noch in 100 Jahren unter die Nase reiben wirst! Jetzt komm in die Hufe, Alter!“
Breit grinsend schlenderte Richie Richtung Strandbar. Den Stinkefinger, den Jon ihm zeigte sah er nicht mehr.

„Hi Tammy! Wie geht’s dir?“
„Hallo Fremder! Mir geht’s gut. Wie läufts bei dir da unten?“
Sie schien sich aufrichtig über seinen Anruf zu freuen und seine riesige Anspannung legte sich etwas.
„Hier ist alles im grünen Bereich! Wir verstehen uns prima und wir werden wieder zusammen arbeiten. Bon Jovi lebt wieder!“
„Wunderbar! Ich wusste doch, daß du das auf die Reihe kriegst! Jon, ich freue mich riesig für dich!“
„Danke, Tammy! Was treibst du so? Wie geht’s dem Baby?“
Er hörte sie leise lachen.
„Dem Baby geht’s gut und mir auch. Ich fahre später zu meinen Eltern und bleibe bis zum Wochenende dort. Meine Mum hat mich überzeugt, daß ich jetzt schon aufhöre zu arbeiten und zuhause bleiben soll. Naja, ist wohl besser so!“
Sie klang etwas bedrückt.
„Ich bin froh, daß du nachgegeben hast! Ich hatte mir auch schon vorgenommen dich von diesem Schritt zu überzeugen. Du hast einfach zu viele Hummeln im Hintern und schonst dich nicht richtig. Wann kommst du von deinen Eltern zurück?“
„Ja, Ja, blas du nur auch ins gleiche Horn wie meine Mum! Ihr habt ja Recht. Ich werde jetzt den ganzen Tag schlafen und mich tödlich langweilen. Mir ist jetzt schon ein bisschen langweilig ohne dich!“
Jons Herz schlug einen Tick schneller. Wollte sie ihm mit ihren letzten Worten mitteilen, daß sie ihn vermisste?
„Mir wäre es auch lieber ich könnte dich unterhalten, als hier mit 4 Rowdies abzuhängen, die keiner Margharita aus dem Weg gehen! Also, wann bist du wieder zuhause?“
„Soll ich dich ein bisschen bedauern? Was für ein schweres Schicksal sich den ganzen Tag die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen, während es hier immer noch eiskalt ist! Ich bin Samstag wieder zuhause. Warum?“
„Okay, du hast recht. So schlecht ist es hier auch wieder nicht! Was hältst du davon, wenn wir uns Samstag gleich sehen? Ich komme morgens irgendwann an. Du könntest dir etwas ausdenken, was wir unternehmen könnten! Ich bin zu jeder Schandtat bereit!“
„Wirklich zu jeder? Sei vorsichtig, Jon!“ warnte sie ihn lachend.
„Ich vertraue dir, Tammy!“ gab er leise zu.
„Fein! Ich verspreche dir auch, daß ich dich nicht zu sehr quälen werde! Wie wärs mit nem Film? Ich dachte da an eine schöne Schnulze!“ zog sie ihn auf.
Er seufzte tief in den Hörer.
„Ich werde es überleben. Tammy, ich muß los, wir gehen gleich essen!“
„Nein, war nur ein Joke! Ich werde dich nicht quälen. Dann mal los, Jon! Viel Spaß heute Abend!“
Einen Moment lang herrschte Stille in der Leitung.
„Ich hab mich sehr über deinen Anruf gefreut, Jon! Schön zu wissen, daß du mich nicht gänzlich vergessen hast!“
Ihre Stimme klang ganz weich und sanft und er meinte ihr Lächeln vor sich zu sehen.
„Wie könnte ich dich vergessen, Moby Dick! Mach’s gut und pass auf euch zwei auf! Bye!“
Sie lachte leise.
„Nennst du mich jetzt immer Moby?“
Er musste grinsen.
„Wenn du möchtest!“
„Klingt irgendwie nett, wenn du das sagst! Also, jetzt lauf, damit du nicht zu spät kommst! Ciao!“
„Bis bald, Moby! Ich freu mich auf dich!“ fügte er etwas nervös hinzu.
„Ich freu mich auch! Bye“
Als Jon den Hörer weg legte, lag ein breites, zufriedenes Lächeln auf seinen Lippen.

Chapter 4


„Los, los, raus aus der Küche! Nehmt euren Nachtisch mit nach oben, Jungs!“
„Warum, Mum?“ fragte Tony nach.
„Frag nicht, ich muß mit Jon sprechen und das geht euch nichts an!“
Nun wurde Jon hellhörig. Seine Mum nannte ihn nur dann Jon und nicht Jonny, wenn er etwas ausgefressen hatte. Fieberhaft zerbrach er sich den Kopf, ob er etwas angestellt haben könnte, was sie verärgert hatte. Ihm fiel nichts ein. Ungeduldig wartete er ab bis seine Brüder sich verzogen hatten. Seine Mum stand auf und brachte das Geschirr zur Spüle, dann blieb sie neben ihm stehen und sah ihn fest an.
„Hast du mir nicht etwas zu erzählen, Junge?“
Er riss die Augen auf.
„Nicht, daß ich wüsste!“ Er wollte aufstehen. Sie drückte ihn mit erstaunlicher Kraft auf den Stuhl zurück.
„Oh doch!“ erwiderte sie scharf.
„Mum, anscheinend weißt du mehr als ich! Warum klärst du mich nicht auf was ich dir zu sagen habe?“ begehrte er auf.
Argwöhnisch verfolgte er wie sie sich auf ihren Platz setzte. Sie fixierte ihn.
„Okay. Man hat dich in den letzten Wochen häufig mit einem Mädchen zusammen gesehen. Wer ist sie?“
„Das wird Tammy gewesen sein.“ Gab er wortkarg zurück. Er war nicht verwundert, daß er gesehen worden war. Typisch für seine Heimat!
„Tammy also. Mehr hast du mir nicht über sie zu sagen?“ bohrte sie weiter, die Augen funkelten aufgebracht.
Er zuckte mit den Schultern.
„Wüßte nicht was und schon gar nicht warum! Mum, ich bin dir keine Rechenschaft schuldig! Halt dich gefälligst aus meinem Leben raus!“ schoß er zurück.
„Sprich nicht so mit mir! Du bist noch nicht aus dem Alter raus, dir ne Ohrfeige einzuhandeln!“ brauste sie auf.
Jetzt wurde es ihm langsam zu bunt! Wütend schlug er mit der Hand auf den Tisch.
„Shit Mum! Du vergisst, daß ich inzwischen 29 bin und keine 10 mehr!“
„Dann benimm dich wie ein Mann! Wann hattest du denn vor mich auf zuklären, daß ich Großmutter werde?“ fauchte sie zurück.
Nun fiel es ihm wie Schuppen von den Augen! Er brach in schallendes Gelächter aus. Er bemerkte den entsetzten Blick seiner Mutter und riss sich mühsam zusammen.
„Mum, ganz ruhig! Du wirst nicht Großmutter! Tammys Baby ist nicht von mir!“
„Sicher?“
Er lachte leise.
„Ganz sicher!“
Augenblicklich machte sich Erleichterung in der Miene seiner Mum breit. Sie atmete tief durch.
„Und warum seht ihr euch dann so oft?“
„Weil ich sie mag und gerne mit ihr zusammen bin. Sie ist eine Freundin von mir, nicht mehr und nicht weniger!“ erklärte er ruhig.
In aller Ruhe erzählte er ihr wie er Tammy kennengelernt hatte und was sie seitdem verband. Auch der letzte Rest von Zweifel wich aus dem Gesicht seiner Mutter. Erleichtert stand sie auf und holte frischen Kaffee.
„Lad sie für Sonntag zum Mittagessen ein! Ich würde sie gerne kennenlernen!“
Jon war verblüfft. Nach all der Aufregung hatte er damit nicht gerechnet.
„Gut, mach ich! Darf ich jetzt gehen oder willst du mich noch länger foltern?“ zog er sie grinsend auf.
Sie lächelte schief und küsste ihn rasch auf die Wange.
„Verschwinde, bevor mir noch mehr einfällt! Ich muß nachdenken wie ich in der Nachbarschaft deinen Ruf retten kann!“
Er verschluckte sich vor lauter Lachen und konnte auf dem Weg nach draußen nur krächzen.
„Meinst du nicht, daß es dafür ein bisschen zu spät ist?“
Als er den Weg zu seinem Auto hinunter ging, hörte er sie noch immer herzlich lachen.

„Deine Familie ist toll! Oder war deine Mum nur deshalb so nett zu mir, weil mein Baby nicht von dir ist?“ fragte Tammy.
Sie waren gerade von Jons Eltern aufgebrochen und Jon fuhr sie nachhause. Er grinste sie von der Seite an.
„Quatsch! Meine Mum hätte dich nicht wieder eingeladen, wenn sie dich nicht wirklich mögen würde! Und so toll ist sie auch wieder nicht! Du solltest mal mitkriegen, wie sie ist wenn sie mich verhört!“
Tammy kicherte amüsiert.
„Würde ich gerne mal hören! Trotzdem glaube ich, daß sie erleichtert ist, weil sie nicht Großmutter wird!“
„Mag sein. Dabei wünscht sie sich sehnlichst Enkelkinder und liegt mir damit immer wieder in den Ohren!“ gab er offen zu.
Tammy sah ihn von der Seite an.
„Und woran liegts, daß du sie noch nicht zur Großmutter gemacht hast?“ bohrte sie neugierig nach.
Er dachte einen Moment nach bevor er ihr antwortete.
„Ich hatte für Familie noch keine Zeit, außerdem ist mir die Richtige noch nicht über den Weg gelaufen! Aber vor allem fühle ich mich noch nicht reif genug für eigene Kinder!“
Er bemerkte ihren skeptischen Blick.
„Glaubst du etwa ich fühle mich reif genug? Sorry, aber wenn ich darauf hätte warten wollen, dann würde ich wahrscheinlich kinderlos sterben! Manchmal ist es eben besser es zu nehmen wie es kommt! Du solltest mal drüber nachdenken, ob es sich wirklich auszahlt ein Kontrollfreak zu sein!“ erwiderte sie mit Nachdruck.
Wie schon so oft konnte er auf ihre klugen Worte nichts erwidern.

„Tammy, jetzt lass gut sein! Wer soll denn das alles essen? Ich habe Richie nicht zum Essen, sondern zum Reden eingeladen!“ Er schob sie behutsam aus der Küche.
„Ihr müsst aber auch mal was essen! Und wenn ihr später einen oder zwei hebt, dann ist es besser ihr habt was im Bauch!“ verteidigte sie sich grinsend.
Jon lachte nur leise und ging mit Tammy ins Wohnzimmer. Er drückte sie in den bequemen Sessel und schob ihr einen Hocker unter die Füße. Nachdem Richie das geplante Treffen zweimal verschieben musste, sollte es an diesem Abend endlich stattfinden. Tammy hatte unbedingt etwas zu Essen für sie vorbereiten wollen und er hatte schließlich nachgegeben. Ebenso hatte sie darum gebettelt Richie kennenlernen zu dürfen. Er hatte nicht ablehnen können und deshalb war sie nun noch hier, obwohl Richie jederzeit aufkreuzen konnte. Er spürte, daß sie ein wenig nervös war, aber das war er selbst auch. Es war lange her, daß er seinen Kumpel zuletzt gesehen hatte.
Die Begrüßung zwischen ihm und Richie fiel überraschend herzlich aus, obwohl so viele Dinge zwischen ihnen standen. Als Jon Richie ins Wohnzimmer führen wollte, standen sie plötzlich Tammy gegenüber. Jon hatte gar nicht gehört, daß sie ihm in die Eingangshalle gefolgt war. Richie blickte ihn fragend an, reichte jedoch Tammy die Hand.
„Hi, ich bin Richie!“
Jon wandte sich an Tammy.
„Tammy, daß ist meine rechte Hand Richie! Richie, daß ist Tammy, eine gute Freundin von mir!“ stellte er die beiden vor.
Tammy lächelte.
„Hallo Richie! Ich habe schon soviel von dir gehört und ich wollte dich unbedingt kurz kennenlernen! Ich werde aber gleich verschwinden, damit ihr ungestört seid!“
Richie schüttelte lächelnd den Kopf.
„Bleib doch bitte noch, Tammy! Ich hoffe nur, daß dir Jon nicht nur die schlimmsten Geschichten von mir erzählt hat!“
„Schlimme Geschichten? Von dir? Niemals! Traue ich dir gar nicht zu, Richie!“ konterte sie zwinkernd.
Jon bemerkte Richies verwirrten Blick und grinste breit.
„Jon, du Verräter!“ zischte Richie gespielt ärgerlich.
Die Drei lachten herzlich und gingen ins Wohnzimmer.

„Hey Alter, du warst ja fleißiger als ich dachte!“ rief Richie lachend aus als Jon zurück kam, nachdem er Tammy zur Tür gebracht hatte.
„Häh?“
Richie hielt ihm seine Bierflasche zum Anstoßen entgegen.
„Na komm schon! Du hast nicht nur ein Soloalbum rausgebracht, sondern beglückst die Welt mit einem weiteren Bongiovi! Glückwunsch, Alter!“
Jetzt dämmerte es Jon und er hob abwehrend die Hände.
„Stopp, da liegst du völlig falsch! Ich bin nicht der Vater von Tammys Baby! Warum unterstellt mir jeder, daß ich sie geschwängert habe?“ wehrte er sich genervt.
Richie lachte gröhlend.
„Das fragst du dich wirklich? Hey, dein Lebensweg ist mit gebrochenen Herzen gepflastert und jeder hier in Jersey weiß das! Als Unschuldslamm gehst du nun wahrlich nicht durch!“ zog er ihn auf.
Jon schnaubte, aber er musste nun doch lachen.
„Okay, ich habs begriffen! Aber Tammy ist lediglich eine gute Freundin!“
Richie schwieg lange und er blickte ihn dabei nachdenklich an.
„Sicher? Für mich sieht das allerdings ernst aus!“
„Wie bitte? Du spinnst doch!“ empörte sich Jon.
Rich winkte nachsichtig lächelnd ab.
„Ich sehe schon, es hat sich nichts verändert! Läuft dir mal ein wirklich schnuckeliges Mädchen über den Weg, dann bemerkst du es gar nicht! Nimm endlich mal die Tomaten von den Augen! Jon, Tammy ist ein Juwel unter all den falschen Klunkern in deinem Leben!“
Jon raufte sich die Haare.
„Ein Juwel mit dickem Bauch, Rich! Du bist derjenige, der mal die Tomaten entfernen sollte!“
„Na und? Sie bekommt ein Baby, es ist nicht deins. Wo liegt das Problem? Sie ist die Erste deiner Weiber, die mal vernünftig tickt! Sie hat was im Kopf, besitzt ne Menge Witz und sie sieht entzückend aus. Greif zu, Jon! So eine läuft dir nicht zweimal über den Weg!“
„Du willst wissen wo das Problem liegt? Ich sags dir, Rich! Ich bin noch nicht so weit einen auf Familie zu machen! Himmel, das kostet ne Menge Verantwortung!“ rief Jon ärgerlich aus und lief unruhig durch den Raum.
Richie erhob sich und ging zur Hausbar. Mit einem Drink in der Hand blieb er vor Jon stehen und sah ihn fest an.
„Werde endlich erwachsen, Jon!“

„Tammy, ich wollte dir nur schnell sagen, daß ich ein paar Tage nicht da bin! Ich fliege mit den Jungs in die Karibik, so ne Art Betriebsausflug. Wir müssen noch ein paar Sachen klären und wollen sehen ob wir noch miteinander auskommen.“ Erklärte er ihr am Telefon.
„Toll! Lief es gut mit Richie? Ich mag ihn, er ist so witzig und charmant!“
Er konnte quasi sehen, daß sie lächelte.
„Ja, es lief wirklich gut! Wir sitzen wieder in einem Boot und wir sind zuversichtlich, daß die anderen auch mit einsteigen. Pass gut auf dich auf, Kleines! Ich melde mich, wenn ich wieder zurück bin!“
„Okay, dann wünsche ich dir viel Glück und Erfolg! Mach’s gut und denke auch ein wenig an deine Leber!“
Er grinste noch nachdem er längst aufgelegt hatte.

Chapter 3


In den nächsten zwei Wochen trafen sie sich häufig. Sie gingen zusammen ins Kino, Jon lud Tammy zum Essen ein. Wenn Tammy Zeit hatte, dann rief sie ihn an und sie verbrachten ihre Mittagspause zusammen. Jons Tage wurden eine ganze Ecke freundlicher. Hatte er zuvor oft unter Langeweile gelitten, so waren seine Tage nun ausgefüllter. Er mochte Tammy sehr und sie tat ihm gut. Sie konnte zuhören und munterte ihn auch gelegentlich auf. Sie lachte gerne und steckte ihn mit ihrer guten Laune an. Zu seiner großen Verwunderung entwickelte er nach und nach immer mehr Fürsorge. Hatte er das Gefühl, daß Tammy sich übernahm und müde war, dann hielt er sie behutsam zurück und verschaffte ihr eine kleine Pause. Nicht immer ließ sie das gefügig zu und es kam zu einigen Wortgefechten, aus denen er meistens als Sieger hervor ging. Sobald sie begriff, daß er es nur gut meinte konnte sie auch nachgeben. Doch er lernte auch ihre Hartnäckigkeit und schonungslose Offenheit kennen.

Er lümmelte auf seinem Sofa, nahm den Film im Fernseher gar nicht richtig wahr. Den ganzen Tag schon hatte er vor sich hin gegrübelt und war schlecht gelaunt gewesen. Obwohl er nicht in Stimmung war, hatte er das geplante Treffen mit Tammy nicht absagen wollen. Er hatte schließlich versprochen den Film mit ihr gemeinsam anzusehen. Kurz blickte er zu ihr hinüber. Sie saß im Schneidersitz neben ihm, futterte Chips und trank den Milchshake, den sie mitgebracht hatte. Ihr Blick war auf den Fernseher gerichtet. Leise seufzend öffnete er sich eine weitere Flasche Bier und starrte vor sich hin. Er zuckte erschrocken zusammen, als Tammy ihm den Ellbogen unsanft zwischen die Rippen stieß.
„Hey, du guckst gar nicht richtig hin, Jonny!“ mahnte sie ihn.
Unwirsch schob er ihren Arm von sich.
„Nenn mich nicht Jonny!“
„Und maul du mich nicht krumm von der Seite an!“ schoß sie beleidigt zurück.
Er gab ihr keine Antwort und starrte zur Seite. Kurz darauf schubste sie ihn sanfter an und er drehte ihr das Gesicht zu.
„Was ist los mit dir? Du bist schon die ganze Zeit so still und deine Laune war eindeutig schon mal besser, Jon!“
„Darf ich nicht einfach mal ruhig sein, Tammy? Sorry, ich kann nicht immer den Pausenclown für dich spielen!“ gab er sarkastisch zurück.
Er sah sofort, daß er sie mit seinen Worten verletzt hatte. Kurz berührte er ihren Arm
„Tut mir leid, ich hätte das nicht sagen sollen!“ entschuldigte er sich rasch.
Er sah sie hart schlucken und eine ganze Weile herrschte Schweigen.
„Du hast wieder einen dieser Tage, nicht wahr?“ fragte sie leise.
Überrascht blickte er sie an.
„Wovon sprichst du?“
Sie lächelte ihn nachsichtig an.
„Glaubst du wirklich ich merke nicht wenn du einen dieser depressiven Tage hast? Willst du mir nicht langsam mal sagen was dich bedrückt?“
Er konnte ihrem Blick nicht standhalten, musste weg sehen. Er hätte nie gedacht, daß sie seine manchmal trübe Stimmung wahr genommen hatte. Er hatte sich doch soviel Mühe gegeben es sie nicht merken zu lassen! Sein Instinkt riet ihm zur Flucht! Hastig griff er nach der Fernbedienung, schaltete den Film ab und wollte aufstehen. Tammy war schnell und hielt ihn mit erstaunlicher Kraft am Arm fest.
„Oh nein, du läufst jetzt nicht weg, Jon! Ich werde so lange hier bleiben bis du endlich auspackst! Du wirst mich nicht los, hast du verstanden?“ rief sie aufgebracht.
Ihr eindringlicher Ton ließ ihn kurz innehalten, dann setzte er sich wieder aufs Sofa. Als sie sanft an seinen langen Haaren zupfte, sah er sie an. Sie lächelte ihm aufmunternd zu.
„Bitte sprich mit mir! Ich mache mir Sorgen um dich!“
Der letzte Widerstand in ihm schmolz dahin, als er die Aufrichtigkeit in ihren warmen, braunen Augen erkannte. Seufzend raufte er sich die Haare.
„Mein Leben ist Scheiße! Ich habe keine Band mehr, ich hab keinen Job und ich kann nicht mehr schreiben. Ich langweile mich zu Tode und ich sehe auch keine Zukunft vor mir! Ich habe keine Ahnung wohin ich gehen soll und das ist für mich völlig neu, Tammy! Mein ganzes Leben über hatte ich Träume und Ziele! Jetzt habe ich nichts mehr!“ stieß er stockend hervor.
„Blödsinn, Jon! Warum glaubst du, daß du keine Band mehr hast? Ihr habt doch einfach nur keinen Kontakt im Moment!“ wandte sie ein.
Er lachte bitter auf.
„So einfach ist es auch wieder nicht! Wir sind nicht gerade freundlich auseinander gegangen!“
„Gut, mag ja sein! Aber du hast gesagt, daß ihr euch nicht gestritten habt! Und entschuldige bitte, wenn ich skeptisch bin was die Einschätzung deiner Zukunft angeht! Du bist noch immer mit „Blaze“ ganz oben in den Charts und hast ne Menge Nominierungen und Auszeichnungen dafür eingesackt! Wo bitte liegt das Problem?“ bohrte sie weiter nach.
Unwirsch winkte er ab.
„Der Erfolg ist einfach nicht das Gleiche, Tammy!“
„Warum nicht?“ hakte sie hartnäckig nach.
Jon stöhnte auf, aber seine Abwehr war bereits gefallen.
„Weil ich ihn nicht teilen kann! Nur ich alleine bin dafür verantwortlich, ich muß mich alleine freuen und das schmeckt schal!“ gab er zu.
Liebevoll strich sie ihm über die Hand, die auf seinem Knie ruhte. Er sah zu ihr hinüber, ihr Blick war sanft.
„Und mit wem würdest du den Erfolg gerne teilen wollen?“
Er senkte traurig den Kopf, starrte auf seine Füße.
„Mit Rich.“
Sie lachte leise und drückte seine Finger.
„Und? Hat das jetzt so weh getan?“ zog sie ihn liebevoll auf.
Er musste unwillkürlich grinsen und blickte sie erneut an.
„Du bist wirklich geschickt, Tammy! Aber nein, es hat nicht weh getan! Richie ist nun mal mein bester Freund gewesen und es gibt auf unseren Alben kaum einen Song an dem er nicht beteiligt war. Ich vermisse diese Gemeinschaft und den Spaß, den das Song schreiben mit ihm macht. Er versteht wie kein anderer wie wichtig mir die Songs sind. Ohne ihn bin ich nicht halb so gut wie mit ihm!“
Nachdenklich blickte sie ihn an.
„Das war ja ne echte Liebeserklärung!“ platzte sie heraus.
Schlagartig flammte Ärger in ihm hoch und er sprang auf die Beine. Wütend funkelte er auf sie hinab.
„Auf die Scheiße kann ich verzichten!“ zischte er aufgebracht.
„Hey, daß war ein Joke!“ wehrte sie ab.
„Verdammt schlechter Joke, Tammy!“
Er wandte sich ab und ging an die Hausbar, um sich einen kräftigen Drink einzuschenken.
„Seit wann bist du so humorlos? Himmel, ich finde wirklich total schön, was du über die Freundschaft mit Richie gesagt hast! Hast du ihm das eigentlich jemals gesagt? Weiß er wie viel dir das gemeinsame Songwriting bedeutet?“
Er hatte nicht mitgekriegt, daß Tammy aufgestanden war. Als er sich umdrehte, stand sie nur zwei Schritte von ihm entfernt.
„Nein, darüber haben wir nie gesprochen!“ gestand er zögernd.
Sie trat näher und sah ihm fest in die Augen.
„Dann sag es ihm endlich! Kneif den Arsch zusammen und ruf Richie an! Führt ein offenes Gespräch und schafft die Probleme aus dem Weg! Danach sauft ihr einen zusammen und geht wieder gemeinsam an die Arbeit! Deine Zukunft wird strahlend vor dir liegen und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben Bon Jovi noch ewig und 300 Jahre!“ riet sie ihm engagiert und mit einem Zwinkern in den Augen.
Zunächst wollte er heftig protestieren. Doch ihre Worte hatten haargenau den Punkt getroffen. Er konnte sie nicht ignorieren und wusste gleichzeitig, daß sie Recht hatte. Langsam ging er auf sie zu und zog sie in die Arme.
„Du hast recht und verdammt viel Mumm in den Knochen, Kleines!“ murmelte er in ihr Haar.
Sie befreite sich ein wenig aus der Umarmung und sah ihn ernst an.
„Wenn ich keinen Mumm in den Knochen hätte, dann dürfte ich kein Baby bekommen! Meinst du vielleicht ich freue mich darauf, ein Baby aus meinem Leib zu quetschen? Geschweige denn es vernünftig und liebevoll groß zuziehen? Gott, was seid ihr Männer doch für Weicheier!“ schimpfte sie ruhig mit ihm.
Jon musste leicht grinsen und küsste sie sanft auf die Stirn.
„Dem kann ich wohl nichts mehr hinzufügen!“

Er rief Richie ein paar Tage später tatsächlich an und es lief besser als erwartet. Da Richie noch mit seinem Soloprojekt beschäftigt war, verabredeten sie ein Treffen später in der Woche. Jon war zufrieden und unheimlich erleichtert den Schritt gewagt zu haben. Nun fühlte er sich wieder besser und sah etwas optimistischer in die Zukunft. Spontan lud er Tammy zum Essen ein, um ihr damit für ihren Anstoß zu danken. Sie nahm die Einladung gerne an und freute sich auf den Abend. Wie vereinbart fuhr Jon pünktlich vor ihrem Haus vor um sie abzuholen. Als sie ihm öffnete, stand sie mit hängenden Schultern und im Schlafanzug vor ihm.
„Hi! Warum bist du noch nicht fertig, Tammy?“ fragte er verblüfft. Normalerweise war Tammy auf die Sekunde pünktlich.
Kläglich blickte sie ihn an.
„Ich fühl mich nicht gut, Jon! Tut mir leid, aber aus unserem Abend wird nichts!“ erklärte sie mit leiser Stimme.
Nun war er ernsthaft um sie besorgt und schob sich an ihr vorbei in den Hausflur.
„Was ist los? Stimmt was nicht mit dem Baby?“
Sie schlich vor ihm her ins Wohnzimmer und ließ sich stöhnend aufs Sofa nieder.
„Der Wurm lässt mir heute keine Ruhe! Mir tut der Rücken weh, ich kann mich kaum setzen. Das Kleine tritt mich schon den ganzen Tag wie verrückt und ich bin einfach fix und alle.“ Klagte sie und er sah Tränen in ihren Augen schimmern.
Kurz entschlossen drückte er sie in die Kissen zurück und legte die Decke über sie.
„Bleib liegen und ruhe dich aus! Hast du schon gegessen? Soll ich dir Tee kochen?“
Dankbar blickte sie ihn an und die Tränen fingen an zu kullern. Sanft strich er ihr durch den Lockenschopf und küsste sie auf die Stirn.
„Kleines, du schaffst das schon! Und du weißt doch, wenn ich dir irgendwie helfen kann, dann mache ich es auch! Also, soll ich dir was zu essen machen?“ versuchte er sie zu trösten. Sie nickte und schniefte leise.
Auf dem Weg in die Küche warf er seine Jacke über einen Stuhl. Die Tischreservierung im Restaurant kümmerte ihn nicht mehr, dies hier war wichtiger. Tammy ging es nicht gut und wenn er sich nicht sehr täuschte, dann brauchte sie vor allem eine Schulter zum Anlehnen. Konnte sie haben! Wozu waren Freunde schließlich da!
Hastig kramte er in ihrer Küche nach Brot und bereitete ihr ein Sandwich zu. Schnell war auch Tee gekocht und er brachte alles auf einem Tablett zu ihr ins Wohnzimmer. Tammy lag halb auf dem Sofa, eingekuschelt in die Decke und die Füße hatte sie auf dem kleinen Tisch ausgestreckt. Er stellte das Tablett neben ihr ab und reichte ihr den Teller.
„Jetzt iss erst mal und dann erzählst du mir von deinem Tag! Okay?“
„Danke, du bist so lieb zu mir!“ Sie lächelte sanft und biss herzhaft in das Sandwich.
Während sie aß behielt er sie im Auge und trank einen Schluck Tee. Hin und wieder zuckte sie leicht zusammen und griff sich an den Bauch. Das Kleine musste wirklich heftig treten, denn er hatte Tammy noch nicht oft so gesehen. Kurze Zeit später lehnte sie sich zurück und sah ihn an.
„Das war gut, jetzt fühle ich mich schon besser!“
Er grinste und tippte ihr auf die Nasenspitze.
„Und jetzt gib zu, daß du heute wieder viel zu viel gearbeitet hast! Du musst dich mehr schonen! Hast du vergessen was der Arzt dir geraten hat?“
Sie seufzte tief und wurde ein wenig rot.
„Gut, ich gestehe! Es war heute viel los und im Restaurant ging es drunter und drüber. Eine Kellnerin war krank und ich habe ein bisschen ausgeholfen.“
Jon schüttelte ärgerlich den Kopf.
„Du hast also stundenlang die schweren Teller geschleppt! Bist du eigentlich verrückt? Du wunderst dich nicht wirklich, daß es dir schlecht geht, oder? Dein Baby beschwert sich bei dir, damit du den Unsinn endlich sein lässt!“ schimpfte er ruhig mit ihr.
Erneut füllten sich ihre Augen mit Tränen.
„Ich weiß ja, daß du recht hast! Aber irgendwie vergesse ich immer, daß ich mich nicht mehr so anstrengen soll und mach es einfach! Ich bin doch nur schwanger und nicht krank!“ wehrte sie sich zerknirscht.
Er musste grinsen und stupste leicht gegen ihren Babybauch.
„Das bringst auch nur du fertig, daß du diese Kugel hier vergisst!“ neckte er sie.
Tammy kicherte verlegen, die Tränen waren verschwunden.
„Nicht ganz leicht die Kugel zu übersehen, nicht wahr?“ Sie strich amüsiert über ihren Bauch.
Er schüttelte lachend den Kopf.
„Ne, wirklich nicht! Langsam ähnelst du nun doch Moby Dick!“ zog er sie auf.
Sie nahm es ihm nicht übel und lachte mit. Er war froh, daß sich ihre Stimmung wieder aufgehellt hatte und sie nicht mehr wie ein Häuflein Elend neben ihm saß.
„Wenn du willst kann ich dir auch noch ein wenig den Rücken massieren!“ bot er an.
Erstaunt sah sie ihn mit großen Augen an.
„Kannst du das überhaupt?“ fragte sie.
„Klar, ich bin oft genug durchgeknetet worden und hab davon gelernt! Schlimmer kann es dir danach auch nicht gehen!“
Nachdenklich sah sich Tammy um.
„Hm. Wie soll das gehen? Ich kann mich schließlich nicht auf den Bauch legen!“ gab sie zu bedenken.
Er fand schnell eine Lösung.
„Setz dich im Schneidersitz auf die Couch und dreh dich seitlich zu mir. So wird’s dann schon gehen!“ schlug er vor.
Sie nickte zustimmend und kurz darauf saß sie vor ihm. Jon lupfte kurz den Saum ihres Schlafanzugs und sah, daß sie noch etwas darunter trug.
„Kannst du die Schlafanzugjacke ausziehen? Dann geht’s einfach besser!“
Sie lachte herzlich und drohte ihm über die Schulter hinweg mit dem Finger.
„Wehe du fällst über ne wehrlose Frau her, Mister!“
„Moment, du bist schwanger, aber alles andere als wehrlos! Wofür hältst du mich eigentlich?“ wehrte er sich lachend.
„Das sag ich dir lieber nicht!“ konterte sie und zog dabei die Jacke über die Schultern hinab.
Sie trug nun nur noch ein dünnes, weißes Hemdchen mit schmalen Trägern. Als er die Hände auf ihre Schultern legte, fühlte er erstaunlich feste Muskeln unter der Haut. Sanft begann er ihre Schultern zu massieren.
„Treibst du Sport? Also, ich meine, wenn du nicht gerade ein Baby bekommst!“ fragte er neugierig.
„Hm. Ich gehe gerne Joggen und spiele regelmäßig Tennis. Die Bewegung fehlt mir.“ Erzählte sie.
Während er behutsam ihren Nacken und den Rücken massierte unterhielten sie sich über Sport. Wie er auch hatte Tammy schon viele Sportarten ausprobiert. Sie fanden heraus, daß sie beide im Sommer gerne Schwimmen gingen. Tammy kannte auch den Strandabschnitt, wo er am liebsten badete.
„Wir könnten ja mal zusammen dort spazieren gehen. Im Winter ist es auch schön dort.“ Schlug Jon vor.
„Gerne! Ich war lange nicht mehr am Strand. Oh, kannst du bisschen weiter runter gehen? Das tut gut was du da gerade machst!“ Sie seufzte genießerisch.
Jon lächelte amüsiert und rückte mit den Händen etwas tiefer zu ihren Lendenwirbeln. Behutsam strich er über die Muskeln und fühlte wie sie sich zunehmend entspannten. Er konzentrierte sich auf die Stellen und bald hörte er Tammy leise seufzen. Sie schnurrte wie ein kleines Kätzchen und er gab sich noch mehr Mühe. Doch irgendwann wurden seine Finger einfach müde und er musste aufhören.
„Tut mir leid, aber ich kriege gleich Krämpfe in den Fingern! Geht’s jetzt besser?“ entschuldigte er sich.
Sie blickte kurz über die Schulter und er sah sie zufrieden lächeln.
„Das war himmlisch, Jon! Ich fühle mich wie neu geboren! Herzlichen Dank!“
Bevor er antworten konnte, wurde er von ihrer nächsten Aktion überrascht. Blitzschnell hatte sie hinter sich und nach seinen Händen gegriffen. Zielstrebig zog sie seine Hände auf ihren Bauch und hielt sie dort fest.
„Fühl mal, der kleine Wurm tritt nicht mehr so doll, sondern stupst mich nur noch an! Ich glaube es bedankt sich bei dir!“ verkündete sie ihm vergnügt.
Jon war fasziniert. Zum ersten Mal berührte er Tammys Bauch auf diese Art und Weise und es gefiel ihm ausgesprochen gut! Unter seinen Fingern fühlte er immer wieder leichte Bewegungen und die Vorstellung, daß sich da drin ein Menschenleben rührte, bewegte ihn. Aufmerksam verfolgte er die kleinen Schubser unter seinen Händen.
„Das ist schön.“ Stellte er nach einer ganzen Weile leise fest.
Tammy nickte nur wissend, ließ seine Hände noch immer nicht frei. Erst jetzt wurde ihm bewusst wie nahe er ihr war. Die Situation kam einer Umarmung gleich und er nahm ihren Duft wahr, der von ihrem Nacken und von ihrem Haar ausging. Sie roch nach Frühling, frisch und süß. Er musste hart schlucken und er löste vorsichtig die Hände von ihrem Bauch und rückte ab. Tammy schien nicht zu bemerken, daß ihm der Moment ein wenig zu intim geworden war. Sie zog ihre Schlafanzugjacke über und drehte sich dann wieder zu ihm um. Sie strahlte glücklich übers ganze Gesicht.
„Ich glaube jetzt herrscht Ruhe da drin! Vielen, vielen Dank, Jon! Die Massage hat wirklich gut getan!“
„Fein! Wir können das wiederholen. Sag einfach Bescheid!“ bot er an.
Sie nickte und drückte dankbar seine Hand. Wenig später verabschiedete er sich von ihr und fuhr nachhause. Ihr Abschiedskuss brannte noch lange auf seiner Wange.

Chapter 2


„Was machst du denn hier?“
Sie klang mehr als nur verwundert und ihre Miene verriet nicht gerade Begeisterung. Jon trat unwohl von einem Fuß auf den anderen.
„Hi Tammy, ich wollte nur wissen, ob es dir wirklich gut geht! Und ich wollte mich nochmals bei dir entschuldigen, daß ich dich gestern so gelöchert habe.“
Tammys Miene wurde weicher und sie öffnete die Tür ein Stückchen weiter. Aber außer ihrem Lockenkopf und ihrer rechten Schulter bekam er nichts von ihr zu sehen.
„Das hättest du nicht tun müssen, Jon! Ich war nicht gerade nett zu dir, nachdem du mich aus dem Schneesturm gerettet hast. Eigentlich sollte ich mich bei dir entschuldigen!“ Sie lächelte sanft und ihm fiel ein kleines Grübchen an ihrem Mundwinkel auf.
Abwehrend winkte er mit der Hand.
„Schwamm drüber!“
Sie grinste nun und sie wirkte schlagartig viel lockerer.
„Möchtest du auf einen Kaffee reinkommen?“
Er war überrascht von ihrem Angebot, aber er fing sich schnell.
„Gerne, wenn ich dich nicht störe!“
Antwort bekam er keine mehr, sie zog einfach die Tür weiter auf und er trat ein. Er stand in einem kleinen Flur, hinter ihm gab Tammy Anweisung.
„Gleich wieder nach rechts, die erste Tür.“
Jon bog nach rechts ab und stand in der Küche. Neugierig blickte er sich um. Tammys Küche war im Stil der 60er Jahre eingerichtet und sah aus wie ein typischer, amerikanischer Diner. Beeindruckt drehte er sich zu ihr um.
„Wow, das ist...ach du Scheiße, du bist schwanger!“ platzte er überrascht heraus.
Sie trug lässige Jogginghosen und ein Baseballshirt. Das Shirt schmiegte sich eng an ein kugelrundes Bäuchlein. Er war platt!
Sie grinste ihn breit an und eine Hand strich leicht über die feste Wölbung.
„Jep, ich bekomme ein Baby! Du hast also gestern uns beide gerettet, Jon!“ erwiderte sie locker und selbstbewusst.
Immer noch überrascht nickte er. Tammy schubste ihn Richtung Tisch und widerstandslos setzte er sich. Während sie zur Kaffeemaschine ging, beobachtete er sie aufmerksam. Sie wirkte wieder genauso unbeschwert wie er sie kennengelernt hatte. Keine Spur von Unsicherheit und auch kein Hauch von Trauer über ihre Trennung. Sie war ihm ein Rätsel!
Als sie mit zwei Tassen zu ihm zurück kam, lächelte sie freundlich und reichte ihm den Kaffee. Fröhlich blickte sie ihn über den Tisch hinweg an.
„Bist du schockiert oder warum kriegst du die Zähne nicht auseinander? Noch nie ne schwangere Frau gesehen?“ zog sie ihn auf.
Verlegen strich er sich durch die langen Haare.
„Ich bin nur überrascht, Tammy! Gestern muß ich das irgendwie übersehen haben!“ gab er ehrlich zu.
„Naja, sooo auffällig dick bin ich ja noch nicht. Ich bin erst im fünften Monat und bis ich wie ein gestrandeter Wal aussehe dauert es noch ein wenig!“
Er musste grinsen und seine Befangenheit wich langsam aber sicher zurück.
„Jedenfalls siehst du aus wie das blühende Leben, Tammy!“
Sie grinste und tätschelte ihren Bauch.
„Bin ich ja auch!“
Er nickte bedächtig, fuhr sich mit der Hand übers Kinn.
„Darf ich dich was fragen?“ erkundigte er sich.
Tammys Blick war offen und sie sah ihm direkt in die Augen. Kurz fasste sie nach seiner Hand, die zwischen ihnen auf dem Tisch ruhte.
„Lass mich erst was erklären, Jon! Das ich gestern so ausgeflippt bin und geheult habe, lag wohl eher an meinen verwirrten Hormonen. Es war nicht so ganz lustig einsam im Schneesturm liegen zu bleiben und hat mich Nerven gekostet. Normalerweise breche ich nicht hysterisch in Tränen aus und schon gar nicht vor Fremden! Tut mir leid, wenn ich dich damit erschreckt habe!“ erklärte sie.
„Es lag also nicht an der Trennung von deinem Freund? Hey, ich könnte das wirklich verstehen in deiner Lage!“
Sie lachte amüsiert und schüttelte den Kopf.
„Quatsch! Mir geht’s wunderbar, ich bin froh, daß ich den Mistkerl los bin! Mein Baby braucht keinen Dad, schon gar nicht so einen wie den! Ich komme alleine klar und ich habe Familie und Freunde, die mir helfen können. Glaub also bitte nicht, du hast es mit einer hilflosen, armen Schwangeren zu tun!“
Er war noch ein wenig skeptisch, obwohl sie sehr selbstbewusst klang.
„Willst du mir nicht bisschen mehr erzählen? Wie war das mit deinem Freund?“ fragte er vorsichtig nach.
Sie lachte erneut und zwinkerte ihm vergnügt zu.
„Sei mir nicht böse, aber du bist wirklich der neugierigste Kerl, der mir je begegnet ist! Warum willst du es so genau wissen?“ zog sie ihn auf.
Jon fühlte Röte in die Wangen steigen und verfluchte sich für seine Neugier.
„Naja, ich mag dich irgendwie.“ Gab er letztendlich zu.
Sie legte den Kopf schief und sah ihn eine Weile wortlos an.
„Ich mag dich auch, sonst hätte ich dich gar nicht auf nen Kaffee eingeladen. Unterbrich mich bitte, wenn dir die Geschichte zu langweilig wird!“
Jon nickte zustimmend und lehnte sich auf seinem Stuhl zurück.
„Toby und ich waren 3 Jahre zusammen, wir haben uns auf der Hotelfachschule kennengelernt. Wir waren beide ehrgeizig und hatten ne Menge gemeinsamer Ziele. Wir wollten irgendwann ein großes Hotel führen, egal wo. Wir wollten ins Ausland gehen und auch dort Erfahrungen sammeln. Wir verstanden uns wirklich prima und er ist bei mir eingezogen. Doch dann haben meine Eltern vor 2 Jahren ein weiteres Hotel gekauft und wollten sich nur noch um dieses kümmern. Sie haben mir dann den Job als Hotelmanagerin angeboten, den ich jetzt noch habe. Klar, daß war nicht ganz nach meinen Plänen, aber der Gedanke gefiel mir trotzdem. Vor allem, weil ich noch einen jüngeren Bruder habe, der auch ins Hotelfach will. Ich dachte mir, ich könnte den Job ja mal solange machen bis mein Bruder soweit ist und mich ablösen kann. Dann hätte ich bereits gute Erfahrungen gemacht und könnte meine Auslandspläne immer noch verwirklichen. Meine Eltern waren glücklich, Toby leider nicht. Er war regelrecht sauer, daß ich von unserem Ziel abgewichen bin. Wir stritten viel, aber irgendwann renkte es sich wieder ein. Ich arbeitete in unserem Familienbetrieb und Toby wurde stellvertretender Manager in einem kleinen Haus drüben in New York. Wir waren beide im Stress, haben uns oft tagelang nicht gesehen. Ich habe gemerkt, daß wir uns voneinander entfernten, aber ich habe nichts unternommen. Tja, dann war ich plötzlich schwanger! Es war ein Unfall. Ich denke, ich war schludrig mit der Pille. Für mich war aber trotzdem von Anfang an klar, daß ich das Baby bekommen wollte. Ich liebe Kinder und habe mir immer schon eigene gewünscht. Toby war zunächst auch glücklich, zumindest kam es mir so vor. Ich bin aus allen Wolken gefallen, als er mir ein paar Tage später eröffnete, daß er einen neuen Job in Atlantic City angenommen hatte. Er hat das Angebot angenommen, ohne mit mir darüber zu reden und ohne Rücksicht auf unser Baby. Er schlug vor, daß ich mitgehen sollte oder wir könnten uns an den Wochenenden sehen. Ich glaube, schon da ist mir klar geworden, daß Toby kein Verantwortungsgefühl für das Baby und mich empfand. Ich habe ihn gehen lassen und bereits nach 3 Wochen war klar, daß er auch an den Wochenenden nicht zurück kommen würde. Er hat jedes Mal Ausreden vorgebracht, die nicht besonders originell waren. Ich habe mir zwei Tage frei genommen und über alles nachgedacht. Ich habe nicht lange gebraucht um festzustellen, daß meine Gefühle für Toby nur noch lauwarm waren. Da war nichts mehr und wozu länger daran festhalten? Ich kann ja auch nicht mehr nur an mich denken! Was soll mein Baby mit einem Dad, den ich nicht liebe und der sich einen Scheiß um das Kleine schert? Ich bin wirklich erleichtert zurück an die Arbeit und habe Toby auch nicht mehr angerufen. Gestern war mir dann danach seine Sachen los zu werden und es endgültig zu beenden. Ich bin ins Auto gesprungen, hab ihm die Sachen vor die Füße gekippt und hab mich auf den Heimweg gemacht. Tja, und dann blieb meine Karre stehen und du kamst ins Spiel! Ende der Geschichte!“ Sie grinste ihn schief an.
Jon atmete tief durch. Das Gehörte hatte ihn berührt, vor allem die Gelassenheit mit der Tammy erzählte. Er glaubte ihr nun, daß sie nicht wegen ihrem Ex geheult hatte. Nachdenklich blickte er sie an.
„Und was sagst du jetzt dazu?“ bohrte sie ungeduldig nach.
„Toby ist ein Arsch!“ platzte er heraus.
Sie stutzte einen Moment, dann brach sie in herzliches Gelächter aus. Ihr Lachen wirkte ansteckend und er lachte mit. Sie zwinkerte ihm zu und es kam ihm vor als seien sie nun Verbündete. Der Gedanke gefiel ihm.

Sie verbrachten fast den gesamten Tag miteinander und hatten viel Spaß. Tammy bewies, daß sie Jons Neugier in nichts nachstand. Sie löcherte ihn mit Fragen über sein Rockstarleben, seine Band und das ganze Drumherum. Bereitwillig gab er ihr Auskunft, brachte sie mit witzigen Anekdoten zum Lachen. Die Zeit verging unbemerkt und endete in einem köstlichen Abendessen, daß Tammy aus einigen Vorräten zauberte. Sie waren sich einig, daß sie sich bald wieder treffen wollten, weil beide die gemeinsamen Stunden genossen hatten.